Review: GHOST- If you have Ghost, do you have everything?

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“If you have Ghosts, you have everything”, sang 2013 Roky Erickson. Ob er damit die schwedischen Heavy-Metaller von Ghost meinte wissen wir nicht. Aber ob man tatsächlich alles hat wenn man ein Konzert vom Cardinal und den namenlosen Ghouls besucht, wollten wir am Donnerstag, den 14.02., in der Stuttgarter Schleyer-Halle heraus finden.

Mein Abend begann bereits ziemlich stressig. Durch schleppenden Feierabendverkehr und einen versteckten Parkplatz büßte ich schon mal die Vorband ein. Erst kurz vor acht betrat ich  die große Halle die brechend voll war. Mir war gar nicht bewusst wie bekannt die schwedischen Geistlichen in Deutschland sind.
Die Musik von Ghost, wanderte letztes Jahr erstmalig in meine Playlist nachdem sie mich auf dem Wacken Open Air überzeugt hatten. Diese so böse aussehende Band, die man (vom Aussehen) vielleicht eher mit Blackmetal assoziieren würde,  zeigen mit ihrem melodischen, fast schon psychodelischen Klang, ihrem szenischen Auftritt und dem Anti-Religionsthema ein Genre auf, das so ohnegleichen ist. Mir war es also eine Ehre, die Ghouls und ihren Frontmann Tobias Forge alias Cardinal Copia auf ihrer „A Paled Tour named Death“ noch einmal sehen zu dürfen.
Ich betrat also die Halle und versuchte mir noch irgendwie querfeldein, einen guten Platz zu sichern. Gute zehn Meter von der Bühne entfernt wartete ich nun auf der linken Seite auf den Beginn der Show. Währenddessen hallte ein kirchlicher Singsang durch die Boxen, der dann von Kinderstimmen die auf gruselige, schaurige Art und Weise ein Kinderlied sangen, beendet.
Kaum war das Licht ausgegangen, schrie das Publikum los. Ich sah nicht wirklich gut, aber konnte die glänzenden Masken der namenlosen Ghouls, wie die Bandmitglieder genannt werden, die Bühne betraten erahnen. Es ging los mit „Rats“, und dann betrat auch der Kardinal die Bühne. In einen schwarzen Frack gehüllt, mit nach hinten gegelten Haaren und dem bleich geschminkten Gesicht erfüllte er das Publikum mit einer gewissen Ehrfurcht. Der Gesang war zunächst nicht optimal und klang sehr anders als auf CD. Ebenso kam es mir vor als wäre die Musik, vor allem der Bass etwas zu laut. Bevor das Publikum begrüßt wurde, stimmte die Band neue Songs wie „Ritual“ und „Absolution“ an, welche das Publikum durch den hohen Kennwert zum Mitsingen und Wippen brachen. Dennoch kam bis zur ersten Begrüßung keine Riesenstimmung auf. Vor dem Song „Cirice“ lieferten sich Gitarren-Ghoul und Gitarren-Ghoul einen kleinen Riff-Contest und ließen sich ordentlich vom Publikum anfeuern. Zur weiteren Unterhaltung kam Papa Emeritus, das frühere Alter Ego Tobias Forges, für ein Saxofonsolo auf die Bühne. Die Band stimmte dann noch die Ballade „Life eternal“ an und ließ dabei das Publikum näher zusammen rücken und leidenschaftlich mit singen. Dann blieb es vorne auf einmal dunkel und das Saallicht erleuchtete. Eine Stimme kündigte nun eine 15 Minuten lange Pause an.
In der Zeit kämpfte ich mich zum rechten Rand und fand mich in der ersten Reihe bei einer Freundin wieder. Wir tauschten uns über den bisherigen Ablauf des Konzertes aus und entschieden beide, das dieses bisher wie erwartet gut war, aber kaum Interaktion mit dem Publikum statt gefunden hatte.
Nach der Pause wurde nun viel mehr zu älteren Songs gegriffen die das Publikum auch nicht alle perfekt mit singen konnte. Die Stimmung kochte auch nun nicht wirklich über, alle blieben ruhig schwankend an ihrem Platz stehen und ließen „ihren Damm vibrieren“  wie es Cardinal Copia ausdrückte. Generell wurde in der zweiten Hälfte mehr Publikumsinterkation betrieben, nun allerdings fast schon zu viel. Unter anderem nutze Forges die Gelegenheit um das Publikum bellen zu lassen. Sowas funktioniert auch nur an Fasching oder wenn dir das Publikum gefügig ist. Nach dem satanistischen Metalreißer„Year Zero“, welches den Saal dann doch noch mal etwas aufweckte und das diabolische Kirchenthema an- und verriss, spielte die Band ihre ruhigere gecoverte Homage an sich selbst „If you have ghost(s)“. Darin heißt es unter anderem „If you have ghosts – you have everything“. Dies kann ich in der Hinsicht unterstützen, dass man wenn man auf einem Ghost Konzert war, definitiv die nächsten Tage sich immer mal wieder beim Summen dieses Liedes erwischt.  Es folgten noch die Hits „Dance Macabre“, bei dem es 666-Dollar-Geldscheine im Ghost-Design regnete und „Square Hammer“. Die Lieder taten der Stimmung noch mal einiges dazu, diese verflog dann leider wieder etwas als die sehr ausgedehnte Verabschiedung und Vorstellung der Band (also Ghoul und Ghoul und… Ghoul!) mir wieder etwas die Aufmerksamkeit nahm. Zuletzte wurde Stuttgart vor die Wahl gestellt: Entweder gab es einen letzten Song oder die Band würde uns alle auf dem Parkplatz einmal ordentlich durch nehmen. Selbstverständlich, aber wohl wieder dem Erwarten vom Kardinal stimmten wir einstimmig für letzteres (Ich muss zugeben, ich hatte ich mich ja schon ein wenig in den dünnen, gitarrespielenden Ghoul schockverliebt). Dieser schlug vor das im Sommer wenn es wärmer ist nach zu holen. Dann erfüllte ein letztes Mal die neblige und düstere Atmosphäre Ghosts, den Raum und wir tanzten noch einmal in Trance zu „Monstrance Clock“ und sangen unser Mantra „Come togehter. Together as one. Come together. To Lucifers Song.“, was fast schon ein psychodelisches, sektengleiches Zusammengehörigkeitsgefühl weckte. Dann verließ Cardinal Copia mit seinen namenlosen Dämonen die Bühne.

FAZIT: Ich glaube das man, wenn man Ghost hat, einen wundervollen Konzertabend hat. Die Band, zu deren Fans sogar Sternchen wie James Hetfield von Metallica zählen, eröffnet dem Gast den Eintritt zu einer Anti-Christ-Welt in der Cardinal Copia, das selbsternannte Oberhaupt ist. Mit seinen unterwürfigen, namenlosen Ghouls spielt dieser Lieder über Satan, Sex, Sünde und die Vergänglichkeit des Lebens. Ghost auf ein Musikgenre fest zu hämmern, scheint schier unmöglich, da mancher Song sehr heavy, daher kommt, mancher fast schon poppig. Auf jeden Song lässt sich auf jeden Fall andächtig mit den Hüften wippen und kreisen und jeder Song macht fast schon süchtig. Live ist die Band in Stuttgart, meiner Meinung nach nicht komplett aus sich heraus gekommen. Es wurde wenig performt, und die unbedachte Publikumsinteraktion tat wenig für die Atmosphäre.

Zusammenfassend würde ich also sagen: If you have Ghost, you have a beautiful concert, not more.
Kein Schickimicki, keine Explosionen, keine langen Reden, keine Moshpits. Just Metal.

 

The Breakdown


Sound
7
Atmosphäre
8
Preis-Leistung
8
Weiterempfehlung
9