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Review: Bring Me The Horizon in München und Düsseldorf

8.4
von 10 Punkten

„Munich, if you believe in freedom, then The Fever 333 is there for you“, schreit Jason Aalon Butler zu Beginn ins Publikum. Das Münchner Zenith ist bereits gut gefüllt, denn es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass die Shows von Fever 333 ziemlich außergewöhnlich sind. Jason dürfte dem einen oder anderen durch seinen früheren Job als Sänger von Letlive bekannt sein. Fever 333 sind mit ihrem Rapcore allerdings doch eine deutlich andere Musikrichtung. Rage Against The Mashine trifft auf  Limp Bizkit – und vor beiden Bands brauchen sich The Fever 333 nicht verstecken. Bei „We’re comin‘ in“ verschwindet Jason plötzlich von der Bühne, nur um gleich darauf mitten im Publikum aufzutauchen. Er klettert einen Stützpfeiler in der Halle hoch und performt den kompletten Song von dort oben. Seine Energie geht schnell aufs Publikum über, das die ersten Pits eröffnet. Bei seinem gesprinteten Rundlauf durch die Halle benötigt der Sänger eine Menge Kabel, ständig müssen seine Roadies dafür sorgen, dass er noch weiter im Zenith kommt. Doch auch der Drummer nützt die Bewegungsfreiheit auf der großen Bühne im Zenith. Er rennt in Richtung Publikum, macht einen Salto – und rennt wieder zurück zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz.

Als sich alles wieder etwas beruhigt hat, macht Jason darauf aufmerksam, in welcher politischen Krise sich Amerika derzeit befindet. Fever 333 wollen mit ihrer Musik auf die Missstände in der amerikanischen Gesellschaft aufmerksam machen – und genau dies gelingt ihnen mit Songs wie „Made in America“ oder der neuen Single „Burn it“, die sich gegen Rassimus und Polizeigewalt richtet. Sänger Jason scheint zahlreiche Ansichten von Donald Trump nicht zu teilen: „Show respect for women in this motherfucking scene. This song goes out to the women in this room and the men that support them. And if you don’t – well then you’re a sad motherfucker. “ Mit „Hunting Season“ verlassen Fever 333 nach einer grandiosen Liveshow die Bühne und legen damit die Messlatte für Bring Me The Horizon hoch an.

Ein ohrenbetäubendes Kreischen zu Beginn des Konzerts verrät, dass Bring Me The Horizon dank ihres musikalischen Kurswechsels deutlich mehr weibliche Fans hinzugewonnen haben. “Do you wanna start a cult with me?”, sind die ersten Worte, die Oli Sykes ans Münchner Publikum im Zenith richtet – und ein bejahendes Kreischen antwortet ihm. An einigen Stellen der neuen Single „Mantra“ ist der Sänger allerdings aufs Playback angewiesen – und gibt sich nicht einmal die Mühe, das zu verbergen.

Ohne viel Pause stürzt sich die Band im Anschluss direkt in „House of Wolves“. Sofort startet ein brutaler Moshpit im Zenith. Manch weiblicher Fan wird die Entscheidung möglichst weit vorne stehen zu wollen sicher bereut haben – nicht anders ist die Vielzahl an Mädchen zu erklären, die sich in den ruhigeren hinteren Teil der Halle zurückziehen wollen

– raus aus dem Pit. Allerdings ist der musikalische Wandel auch deutlich im Tempo der Songs auf der Setlist bemerkbar. Neue Lieder wie „Wonderful Life“, die mit Metalcore nicht mehr viel zu tun haben, bremsen spürbar das Tempo ab und lassen die Halle zur Ruhe kommen. Oli Sykes muss deshalb häufig durch „Jump, Jump, Jump!“-Rufe die Fans anheizen. Die Häufigkeit, mit der das geschieht, erinnert fast schon an 30 Seconds To Mars-Konzerte. Einziger verbleibender Song aus der Anfangszeit der Band auf der Setlist ist „It Never Ends“, nicht einmal “Chelsea Grin” hat den Cut geschafft.

Die Songs, die ihm selbst am meisten Spaß zu bereiten scheinen, zelebriert Oli allerdings. Bei „Shadow Moses“ steht er mit weit ausgebreiteten Armen im gleißenden Licht, als gelte es eine Messe zu feiern. Seine Performance wird durch zahlreiche Scheinwerfer, LEDs und Rauch mystisch aufgeladen. In punkto Show haben Bring Me The Horizon ordentlich zugelegt im Vergleich zu früheren Konzerten, was sich auch in den Ticketpreisen von knapp 50 Euro niedergeschlagen hat. Leider ist der Sound manchmal schlecht abgemischt, sodass Olis Stimme bei einigen Songs etwas untergeht.

Voll zur Geltung kommt sie allerdings bei „Drown“, das Bring Me The Horizon als Akustik-Ballade spielen. Nach 65 Minuten verlässt die Band die Bühne. Mit „Doomed“ und „Throne“ gibt es noch zwei starke Zugaben oben drauf. Was bleibt von diesem Abend? Bring Me The Horizon schielen mit ihrer musikalischen Entwicklung eindeutig auf die großen Hallen und sind bereits vor dem Release ihres neuen Albums „amo“ am Ziel angekommen. Man darf gespannt sein, in welche musikalische Richtung „amo“ die Band treibt.

 

Unser Fazit


Gesamterlebnis
8.5
Preis/Leistung
8
Qualität
8
Atmosphäre
9