marmozets
Pressefoto:
FKP Scorpio

Review: Handshake mit den Marmozets in München

7.9
von 10 Punkten

„This was our very first show in Munich“, sagt Becca Mcintyre am Ende eines grandiosen Konzertabends und geht auf Kuschelkurs. Alles drängt nun nach vorne, denn Becca lehnt sich ins Publikum, um möglichst viele Fans per Handschlag zu verabschieden. Auch Drummer Josh gesellt sich dazu. Sichtlich gerührt klatschen beide Hände ab und beweisen damit eine in der modernen Rockwelt selten zu sehende Fannähe ohne Berührungsängste.

Zuvor hatten die Münchner Lokalhelden von Zoo Escape als Vorband eine starke Show gezeigt. Die eingängigen Punksongs erzeugten zwar noch keine Pogokreise beim etwas verhalten agierenden Publikum, ließen die Temperaturen im Strom aber trotzdem schon nach oben klettern. Eines der Highlights war das überraschende Cover des Nina Hagen-Hits „Du hast den Farbfilm vergessen“ der Band Automobil. Obwohl das gute Stück schon über 40 Jahre auf dem Buckel hat, grölte das Strom mit.

Dann war es Zeit für die Marmozets. Mit der Single „Play“ vom neuen Album „Knowing What You Know Now“ beginnen sie den Abend. Sofort bricht ein Moshpit los, der sich das komplette Konzert über kaum beruhigt. Das folgende „Why Do You Hate Me“ ist einer der Fanfavoriten des Konzerts. Es ist erstaunlich mit welcher Energie Frontfrau Becca Mcintyre ihre Songs zelebriert. Jede Sekunde ist ihr anzumerken, dass sie komplett in der Musik aufgeht. Dabei kommen leider die Ansagen etwas zu kurz, doch die musikalische Leistung entschuldigt dafür allemal. Live zeigt sich Becca noch kratzbürstiger, als auf den Alben und brüllt und kreischt an noch mehr Stellen in den Songs. Erstaunlicherweise funktioniert der Wechsel zwischen Melodie und Shouts makellos, der Sound ist zudem perfekt abgemischt.

Doch auch die anderen Bandmitglieder, die eine Vorliebe für bunt bedruckte Hawaii-Hemden zu haben scheinen, können überzeugen. Allen voran Drummer Josh Macintyre, der nicht ohne Grund als einer der talentiertesten seines Fachs in Großbritannien gilt. Auch ein betrunkener Störenfried, der vor der Bühne die Band anpöbelt, stört die gute Laune nicht. Die Setlist ist gespickt mit Songs des Debütwerks und des neuen Albums, die sich munter abwechseln. 15 Songs schaffen die Marmozets in den knapp 75 Minuten, eine reife Leistung. „We would love to come back and play for 2 hours “, verspricht Becca zum Abschied. „Major System Error” beendet einen grandiosen Konzertabend.  Dann geht die Band von der Bühne, während eine geheimnisvolle Outromusik läuft und die Scheinwerfer an bleiben. Jeder rechnet mit einer Zugabe, sodass die Rufe und das Klatschen schnell verebben. Dies ist jedoch leider ein Trugschluss. Allerdings scheint die Band generell keine Zugaben zu mögen, gab es doch auch auf den anderen Eruopadates keine einzige davon. Einziger Wehrmutstropfen bleibt deshalb, dass „Born Young And Free” auf der Setlist fehlte. Vielleicht bietet sich dazu 2019 die Gelegenheit, denn die Marmozets wollen wiederkommen.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
7.5
Preis/Leistung
8
Qualität
8
Atmosphäre
8