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Review: Adam Angst – Neintology

9
von 10 Punkten

„Wenn ich Adam Angst schon höre, dann platzt mein Trommelfell“ sind die ersten Worte, die mir Sänger Felix Schönfuss ins Ohr schreit – das könnte spannend werden.

Nach dem melodischen Intro stimmen Adam Angst einen klassischen Punk Song im dreiviertel Takt an, wobei das trotz Sing-a-long zu Beginn textlich zunächst Fragezeichen aufwirft. Denn es wird ganz schnell klar, dass hier nicht nur mit einem Augenzwinkern mit Hatern aufgeräumt wird .Daraus entsteht ein Rundumschlag, welcher sich durch das komplette Album zieht. Hier bekommt jeder sein Fett weg, dabei geht es um Datenkraken und deren Konsequenzen, Filterblasen, Doppelmoral, Egoismus, Fake News, Populismus und der Umgang mit der Kommentarfunktion in den sozialen Medien. Jedem Song ist hierbei sehr konsequent ein Thema zugeordnet, welches zynisch bearbeitet wird.

Als Beispiel möchte ich hier „Blase aus Beton“ nennen. Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es hier um die Filterblase, in welche sich im Social Media zurückgezogen wird. „Pegida zieht durch’s ganze Land, doch hier kommen irgendwie nur Katzen an.“ singt Schönfuss und bringt es damit auf dem Punkt. Jeder sieht nur noch das, was er sehen möchte.

Zwischendurch werden aber auch ernste Töne angeschlagen. So geht es bei „Damit ich schlafen kann“ um Depressionen und bei „Alphatier“ wird die Geschlechter-identität behandelt. Beide Themen werden würdevoll behandelt. Dies ist aber analog auf alle Texte zu übertragen. Felix beweist ein Händchen für komplexe Themen und macht in jedem der 10 Songs unmissverständlich klar, worum es der Band geht: Wir gehen nicht den Weg des geringsten Widerstandes.

Auch musikalisch bewegen sich Adam Angst auf einem hohen Niveau, jeder Song ist rund und auch das Gesamtwerk ist in sich schlüssig. Man merkt jedoch, worauf das Augenmerk in den einzelnen Songs liegt: dem Text beziehungsweise der Message und das gelingt meines Erachtens hervorragend. Ob im „Urlaubslied“ „Alle sprechen deutsch“ volksmusikalische Klänge ertönen oder im dystopischen Thema von „Alexa“ mit Synthis gearbeitet wird, man merkt dass sich hier Gedanken gemacht wurden. Die am Ende auch stimmig sind.

Auch wenn ich das Erstlingswerk zugänglicher fand, bin ich immer noch großer Fan von Adam Angst. Neintology ist nichts für Zwischendurch, man sollte sich schon auf die Thematik einlassen. Dann entfaltet das Album aber seine ganze Stärke.

Meine absolute Empfehlung für jeden, der Bock auf niveauvolle Texte hat und auch etwas zum Nachdenken haben möchte. Es lohnt sich!

Nebenbei gesagt sind Adam Angst auch Live eine Kraft. Ihr könnt euch davon in folgenden Städten überzeugen:

„Neintology“ Tour 2018
präsentiert von VISIONS

15.11. Wiesbaden, Kesselhaus (ausverkauft)
16.11. A – Wien, Dreiraum
17.11. München, Backstage
18.11. CH – Zürich, Dynamo 21
20.11. Köln, Bürgerhaus Stollwerck
21.11. Hannover, Musikzentrum
22.11. Münster, Sputnikhalle
23.11. Bremen, Schlachthof
24.11. Hamburg, Uebel & Gefährlich
25.11. Berlin, Musik & Frieden

Unser Fazit


Sound
9
Lyrics
10
Artwork
8