DSC_8805
Foto:
Jojo L.

Werner, das Rennen.

Es geht los, 8:00 Uhr, Donnerstag morgen. Das Werner Rennen ist sozusagen um die Ecke. Ich habe eine Stunde Fahrt eingeplant und hoffe nicht in den obligatorischen Anreisestau zu kommen. Die Strecke ist gut ausgeschildert und schon weit im Voraus stehen Ordner an der Straße. Ca. 1 km vor dem Gelände die ersten abgegrenzten Flächen und noch kein Stau in Sicht (macht nichts). So erreiche ich tatsächlich nach 1,5 Stunden den Campingplatz.

Es geht los, 12:30 Uhr. Der Haupteingang ist nur 500 m von unserem Stellplatz entfernt, für Festivalverhältnisse nah dran (Glück gehabt oder alles richtig gemacht). Das Infield umschließt die Rennstrecke, eine Rollbahn und die Hauptbühne, mein Ziel, ist am anderen Ende. So muss man noch einen Kilometer gehen (Pech gehabt). Jetzt erkennt man auch, dass es eine Rennveranstaltung mit Musik als Rahmenprogramm ist. Rechts ist eine Crossstrecke aufgeschüttet worden, auf der gerade Renn-Quads warmgefahren werden, links auf der Rennstrecke werden Beschleunigungsrennen mit Fahrzeugen ab 300 PS aufwärts ausgeübt.

Endlich an der Hauptbühne angekommen, höre ich die letzten Songs von Dirt-A-Gogo, nicht so meine Welt. Während der Umbaupause gehe ich an den Verkaufsständen vorbei. Alles zu haben, mit Fleisch, ohne Fleisch, mit Alkohol, ohne Alkohol, aber alles teuer.

Illegal 2001 spielt, in den neunziger Jahren hier im Norden eine Kultband und Dauergast auf dem legendärem Jübek Open Air, ich hatte sie damals aber irgendwie verpasst. Das sollte sich jetzt ändern und es folgte eine Enttäuschung. Die Band, die Texte, die Show können mich nicht mitreißen, sodass ich mich abwende. Ich werde auf ein Rennen mit getunten Mofas aufmerksam, die sich auf einer extra dafür hergerichteten Strecke präsentieren.

Zurück zur Hauptbühne. XXX spielen, die beiden Frontleute von Fury and the Slaughterhouse. Die Musik, fast wie selbige nur in Deutsch und routiniert dargeboten, 30 Jahre Erfahrung halt. Schönes Konzert. Lotto King Karl habe ich überhört, ist nicht mein Ding, so war Torfrock der nächste Programmpunkt. Eine Band, engverbunden mit Norddeutschland und Werner (Soundtrack, Klaus, der Sänger, ist die Stimme von Werner) und garantiert für Party Feeling. So wars dann auch, das Publikum textsicher und gut drauf, ein Highlight an diesem Abend.

Weiter geht es mit DAD aus Dänemark. Gerader Rock und für mich ein gelungener Abschluss fürs Warm Up, oder wir man hier sagt, für den Warmlööt Tag. Zu müde bin ich für Bon Scott, die im Zelt spielen, so gehe ich zurück zum Wohnwagen.

Freitag, es geht los. Diesmal etwas spät, sodass ich Extrabreit bereits verpasst habe. Die Band wollte ich schon gern sehen, kann man nichts machen. Als erste Band dann also Big Country, nicht schlecht, routiniert und alt. Danach noch ein bisschen Torfrock und dann habe ich das erste mal in meinem Leben einem Stockcar Rennen beigewohnt. Sieht schon kühn aus, wenn 8 Autos gleichzeitig in eine 5 m breite Kurve rein wollen und nur die Hälfte dann rauskommt, die andere Hälfte quer steht oder auf der Erdbande verreckt ist.

Als nächstes kam Otto, dies mal mehr als Rocker und nicht als Comedian. Die Stimmung von 0 auf Hundert. Der erste Song: Ich bin ein kleiner Friesenjung… dann übernahm das Publikum. Danach alle Hits der letzten Jahre in der Rockversion, Otto hatte sichtlich Spaß und das Publikum feierte euphorisch mit. Die Gesänge erklangen noch als Otto nach der Zugabe bereits von der Bühne verschwunden war. Für mich das Festival Highlight. Im Anschluss Fury in the Slaughterhouse. Nach 30 Jahren wieder aktiv. Ich kenne viele Songs, aber habe sie noch nie live gesehen, darum nutzte ich die Chance. Ich wurde nicht enttäuscht. Zwar wenig Show, aber die Songs wurden perfekt rüber gebracht und es kam keine Langeweile auf (30 Jahre Erfahrung halt). Leider konnte ich Dr. Feelgood (wurde mir von einem Freund empfohlen), der zeitgleich im Zelt spielte, nicht sehen. Der Versuch ins Warmlööt Zelt (die zweitgrößte Bühne) zu kommen, scheiterte wegen Überfüllung und den Ordnern. So konnte ich dann nur noch das letzte Lied von Stahlzeit hören, einer Rammstein Cover Band, die das musikalisch recht originalgetreu ablieferte (die Rammstein Show bleibt jedoch einzigartig). Russkaja standen noch auf meinem Plan, wegen der coolen Show, aber ich bin zu müde.

Sonnabend, es geht los. Ich schaffe es wieder zur ersten Band Beyond the Block. Ich bekomme sie jedoch nur als Background Musik mit, da ich spontan zu einer Versteigerung von handsignierten Bildern von Brösel und Holgi teilnehme. Die anderen Anwesenden überbieten mein Budget jedoch um ein Vielfaches. So gehe ich leer aus und widme mich wieder Musik. Fischer-Z habe ich schon vor 25 Jahren gesehen und gehörten damals zu meinen Favoriten, damals klang es cool Rock mit Reaggae zu verbinden. Die Band hat sich weiterentwickelt, leider nicht in meine Richtung. Die Songauswahl fand ich langweilig, nur ein Hit aus der “alten” Zeit.
Bei Rose Tattoo bin ich dann essen gegangen (keine Wertung), da man durch die Größe und Länge des Infields schon ein ganzen Set verpassen konnte. Eine Überraschung dann bei Bannkreis. Mittelalter Musik mit Instrumenten, ähnlich wie bei Faun (eine Band, die ich sehr schätze). Tolles Konzert.

Ich warte auf BAB – wie vor 30 Jahren einer der Headliner. Ein sichtlich gut gelaunter und auch etwas geruhter Herr Niedecken rockte die Bühne. Ich hatte ein ruhiges Set erwartet, aber es ging richtig ab. Zu Recht Headliner! Torfrock spielte im Anschluss ein drittes Mal, das brauchte ich dann nicht mehr. Außerdem bin ich nun schon zu müde.

Sonntag, ich habe mich um 14:00 Uhr mit Frau und Tochter verabredet. Ich hoffe sie bekommen die Nachricht noch rechtzeitig, die Netze sind wohl überlastet oder gar nicht vorhanden. Die Übertragung eines Bildes kann schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Es geht los, alle da. Ich gucke Wirtz, einen Mann, den ich vor Jahren bereits auf einem kleinen Festival gesehen habe. Rock mit deutschen Texten, gekonnt über die Bühne gebracht – schon am frühen Nachmittag ein Highlight. Am anderen Ende, in der Stockcar Arena, fahren Rasenmäher um die Wette, nicht meine Welt und Rasen mähen die auch nicht mehr. Daneben Traktorpulling. Ein beinah handelsüblicher Trecker fährt los und bleibt nach hundert Metern stehen.. wie langweilig.

Dann.. das Rennen! Nach 10 Sekunden ist alles vorbei, Brösel hat gewonnen und die Biker Welt ist wieder in Ordnung (ich habe mich auch ein wenig gefreut).

Wieder zurück zur Musik. Santiano spielt, ich schaue den Rest, weil ich endlich dazu gekommen aus dem Riesenrad das ganze Areal anzuschauen. Schon imposant die Ausmaße, dabei sind nur die Hälfte der Besucher wie z.B. in Wacken oder Rock am Ring gekommen.

Für mich ein krönender Abschluss war das Konzert von Roger Chapman, früher manchmal soulig langatmig, hier kompakter rockiger Soul. Stanfour taten mir Leid, als Abschlusskonzert auf der Bühne spielten sie vor fast leeren Rängen. Der Großteil der Besucher ist nach dem Rennen oder Santiano gegangen. Da das Konzert quasi direkt um die Ecke war, bin auch ich in der Nacht noch nach Hause gefahren und zufrieden in meinem gemütlichen Bett eingeschlafen.

Für mich sind Konzerte eine Gefühlssache. Musik, Show, Licht und Publikum müssen zusammenpassen. Deshalb wollte ich zum Ausdruck bringen was mir gefallen hat und habe keine Songlisten oder andere Daten bewusst weggelassen. So etwas ist bestimmt in irgendeiner Ecke des Welt Weit Wunderlandes zu finden. Außerdem bin ich jetzt müde, gute Nacht. 🙂

Mehr Bilder gibt es hier.