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Fotocredit:
Johannes Bruderhofer

Review: Dorfparty mit Limp Bizkit in Rottenburg

6.8
von 10 Punkten

Who the fuck has a concert on Sunday night?” Mit dieser Frage begrüßt Frontman Fred Durst die Fans in Rottenburg – und liefert gleich die Antwort: So this is not a concert, this is a fucking Sunday night party. We will not be going to fucking work tomorrow. Link me on Instagram and I’m gonna tell your boss to fuck off.” Kein Wunder, dass der ehrwürdige Eugen-Bolz-Platz in Rottenburg angesichts eines freien Montags tobt. Die historische Kulisse des Ortes schafft eine besondere Atmosphäre bei diesem Open-Air-Konzert mittem im Dorfzentrum vor rund 3500 Zuschauern. Große Teile Rottenburgs sind gekommen, denn der Ortskern hat gerade einmal 18.000 Einwohner. Innerhalb kürzester Zeit verwandeln Limp Bizkit Fred Durst den Platz in ein Tollhaus und bringt damit den nebenan residierenden Rottenburger Bischof wohl um seinen Schlaf. Die Menge vor der Bühne kommt kaum zum Stillstand, überall bilden sich Moshpits.

Fast 25 Jahre Limp Bizkit sind aber auch an der Band nicht spurlos vorüber gegangen. Nach einem Labelwechsel warten Fans seit Jahren auf das angekündigte neue Album „Stampede of the Disco Elephants“. Auch in Rottenburg gibt es keinerlei neue Songs zu hören. Stattdessen steht wieder einmal das Erfolgsalbum „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ im Mittelpunkt. Erstaunlich, dass die Band seit über 15 Jahren in erster Linie mit Songs dieses Albums touren kann und bei Ticketpreisen von über 60 Euro immer noch derart viele Fans anzieht. Über die Hälfte des 2000er-Albums wird auch in Rottenburg gespielt. Natürlich die Smash-Hits „My Way“ und „My Generation“, aber auch die Fanfavoriten wie „Hot Dog“. Im Vergleich zu früheren Touren haben Limp Bizkit viele eigene Songs gestrichen. Stattdessen werden zwischen den Songs vom hauseigenen DJ Songs angespielt, während Fred Durst dazu über die Bühne wackelt. So zu sehen beispielsweise bei “Jump Around“ von House Of Pain. Eine gezielte Verschnaufspause für die auf die 50 zugehenden in der Band?

Fakt ist, dass Fred Dursts eigenwillige Tanzweise überzeugt. Die Fans hängen an seinen Lippen und beim The Who-Cover „Behind Blue Eyes“ singt der ganze Platz mit. Limp Bizkit spielen viele Cover, so unter anderem auch ein vielumjubeltes „Smells Like Teen Spirit“, bei dem Gitarrist Wes Borland den Gesang übernimmt. Ebenso wird der Höhepunkt jeder Alternative-Party, „Killing in the Name“ aus der Feder der alten Haudegen von Rage Against The Machine, gespielt. Vorband-Frontman John Cooper von Dog Eat Dog kommt dazu mit auf die Bühne.

Erstaunlich altersmüde bleibt allerdings die Spielzeit der Band. Im Vergleich zu den vorherigen Auftritten auf der Tour umfasst die Setlist lediglich 12 Songs.  Auffallend ist auch, dass trotz gestiegener Ticketpreise auf 60 Euro Limp Bizkit lediglich knapp 75 Minuten Spielzeit auf die Bühne bringen. Bei einem Auftritt in der Stuttgarter Porsche Arena vor drei Jahren spielten Limp Bizkit 30 Minuten länger – für knapp 50 Euro.

Mit „Take a Look Around“ verlassen Limp Bizkit die Bühne – ohne Zugaben zwar, aber dafür mit einem insgesamt zufriedenen Publikum. Einer der Höhepunkte des Konzerts ist der Ausflug des ganz in schwarz und weiß angemalten Wes Borland mitten in den Moshpit. Selbst sein Gebiss ist komplett schwarz lackiert. Umgeben von begeisterten Fans spielt er den Song auf der Gitarre, während er nur von drei Securities geschützt wird. Die Menge drückt und schiebt, um dem Gitarristen möglichst nah zu sein und einige schaffen es bis zu Wes Borland, um ihn zu berühren.

Trotz der geringen Songauswahl haben Limp Bizkit an diesem Sonntagabend ihrem Ruf als Partyband alle Ehre gemacht. Dass es vielen Fans vor allem auf diesen Eventcharakter ankommt, hat die Band verinnerlicht, denn selbst Fred Durst muss gegen Ende des Konzerts bei der Vielzahl an Covern in der Setlist grinsen. „Welcome to the Limp Bizkit Karaoke show“, ruft er ins Publikum. Zum neuen Album gibt es allerdings keine Ansagen. Das Warten geht also weiter.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
8
Preis/Leistung
2
Qualität
9
Atmosphäre
8