Broilers
Fotocredit:
Sven Mandel

Interview – Broilers

Das ansstehende City Riot Fest in Wiesbaden haben wir zum Anlass genommen um mit Andi von den Broilers über eben jenes Event, aber auch über die Pläne für die Zukunft zu sprechen – aber lest selbst:

Ich:

Andi – wie geht es dir?

Andi

Ach – gut soweit! Wir haben grad ein paar Wochen Pause vom Festival-Alltag und nutzen das um ein bisschen zu proben, ein bisschen Zeit mit der Familie zu verbringen und – wir haben sogar schon angefangen an dem ein oder anderen neuen Lied zu schreiben.

Ich:

Oha! Ja dann kann ich ja direkt mit der ersten Frage einsteigen – die zahlt da so ein bisschen drauf ein: Wann geht’s denn wieder ins Studio?

Andi:

Ins Studio – keine Ahnung, da gibt’s noch keine festen Pläne. Wir wollen uns auf jeden Fall nach dem letzten Festival – dem City Riot Fest – genügend Zeit nehmen um in den Proberaum zu gehen und an neuen Liedern zu schreiben. Das läuft bei uns immer so ab, dass wir erst mal im Proberaum ein paar Lieder sammeln. Dann fahren wir höchstwahrscheinlich wieder zu Vince. Also in die Principal Studios zu Vincent Sorg, wo wir die letzten Alben auch schon aufgenommen haben. Dort nehmen wir dann die ersten Demos auf und gucken ob da schon irgendwas dabei ist. Dann geht’s wieder in den Proberaum und wir arbeiten da weiter und irgendwann hat man genug Demos oder Aufnahmen zusammen aus denen man die Lieder auswählt, die tatsächlich aufs Album sollen. Dann wird das Ganze nochmal richtig aufgenommen. Das kann sich also noch ein bisschen hinziehen bis wir dann soweit sind.

Ich:

Schade! Aber es soll ja gute werden, ne?

Andi:

Richtig!

Ich:

Aber generell bestehen bei euch schon Ideen fürs neue Album? Also du sagst ja gerade erste neue Sachen sind da schon in den Hinterköpfen. Gibt es da schon erste konkrete Ansätze in welche Richtung ihr da gehen wollt, oder nicht?

Andi:

Ne, noch gar nicht! Also gerade in welche Richtung sich das musikalisch entwickelt, passiert tatsächlich während des Schreibprozesses. Das ergibt sich dann teilweise spontan, wenn wir die Lieder im Proberaum ausprobieren und merken “OK dieses Lied passt in ein Punk Rock Gewand am besten” oder dies oder jenes Lied geht eher in eine Ska oder Reggae Richtung. Das merkt man dann – das ist also etwas, das planen wir nicht vorher, sondern das ergibt sich tatsächlich während wir das Ganze schreiben.

Ich:

Das ist dann wahrscheinlich auch natürlicher und kommt dann auch so rüber, oder?

Andi:

Genau. Wir haben in der Vergangenheit immer mal wieder probiert auf Punkt ein Soul Lied zu schreiben oder ein Lied das eher in die Reggae Richtung gehen soll und haben dann versucht die Lieder da rein zu drücken. Hat nie geklappt. Hat sich nie richtig angefühlt und dann haben wir das sein gelassen.

Ich:

Wie ist denn das – ihr habt ja jetzt mindestens 2 Top Alben hintereinander raus gebracht, wenn man rein von den Auszeichnungen ausgeht – wie groß ist denn da der Performance-Druck, da jetzt auch wieder dementsprechend abzuliefern?

Andi:

Woah – da kann ich tatsächlich nur für mich sprechen: da ist der gar nicht so groß. Also ich weiß nicht wie die anderen aus der Band das sehen, da macht sich jeder auch anderen Druck. Vor allem Sammy ist da nochmal in einer anderen Position, weil er ja auch die Texte schreibt. Aber bei mir sieht’s so aus, dass ich mir keinen großen Druck mache, weil: entweder die Leute mögen es oder nicht! Es geht darum, dass wir 5 zusammen kommen und was auf die Beine stellen können was uns gefällt. Und in aller Regel haben wir auch den ein oder anderen da draußen, den das auch interessiert. Aber ich verspüre keinen Druck ob sich die nächste Platte genauso gut verkauft wie die letzten oder schlechter.

Ich mein die Musik Industrie ist eh gerade an einem Punkt, dass sich gar nichts mehr gut verkauft von daher ist es eh nicht mehr wie vor ein paar Jahren noch.

die Musik Industrie ist eh gerade an einem Punkt, dass sich gar nichts mehr gut verkauft

Ich:

City Riot Fest – hast du vorhin schon mal kurz angesprochen – wie kommt es, dass das in Wiesbaden stattfindet?

Andi:

Keine Ahnung ehrlich gesagt! Das hat sich einfach so ergeben. Timo, unser langjähriger Booker, Freund und Tour-Manager hat uns das einfach mal vorgeschlagen, dass man da ein Open Air ganz gut machen könnte und dann haben wir zugeschlagen. Und wir sind froh, dass wir da eine ganz coole Location gefunden haben. Sammy und Ines waren neulich schon da und es soll sehr schön gewesen sein. Ich bin gespannt! Vor allem weil wir uns da Bands eingeladen haben, die wir durch die Bank weg alle großartig finden und uns total drauf freuen, dass die gebührend mit uns da den Abschluss feiern. Wird schon ganz cool!

Ich:

Aber trotzdem noch mal die Frage: warum nicht eher in einer Stadt – in der ihr vielleicht eher eure Wurzeln habt?

Andi:

Wir waren ja auf der letzten Tour zum Beispiel in Düsseldorf und in Köln – nicht das wir in Köln große Wurzeln hätten, aber das ist halt so nah dran! Ne aber wir haben auf der letzten Tour schon viel abgegrast an größeren deutschen Städten und wir gucken natürlich, dass wir jede Ecke der Landkarte so ein bisschen abdecken. Und Wiesbaden liegt finde ich so, dass man einen ganz guten Einzugsbereich hat um da auch aus ganz Deutschland noch hin zu kommen.

Ich:

Könnt ihr euch vorstellen, das aus sowas auch was regelmäßiges werden könnte? Das ihr sowas auch öfter macht mit wechselnden Partnern? Ich meine es gibt ja einige Bands, die das schon seit ein paar Jahren so machen: ob man jetzt Boysetsfire mit dem Family First Fest oder Kraftklub mit dem Kosmonaut Festival besipielsweise nimmt – könnt ihr euch sowas vorstellen?

Andi:

Ich glaube schon. Also es gibt jetzt noch keine festen Pläne oder akute Ideen, aber diese Festivals oder Open Air Konzerte, die man nicht nur selbst bespielen darf, sondern selber gestalten kann was die Bands angeht – das ist halt schon was cooles! Dann können wir uns selber ein Festival zusammenstellen auf das man selber gerne gehen würde. Wie ich vorhin sagte – das sind alles Bands wie wir lieben – die Band „The Selecter“ hören wir seit wir kleine Kids sind. Die findest du auf einem normalen großen deutschen Festival eher selten und deswegen macht das schon Spaß und warum sollte man das nicht wiederholen – klar!

Ich:

Wenn sich dann die Gelegenheit ergibt quasi?

Andi:

Genau – also wie gesagt: Pläne gibt es da noch nicht, aber wir haben das ja schon ein, zweimal gemacht – zwar noch nicht ganz so groß, aber zumindest diese Open Air Festivals auch in Dresden und Berlin. Das war immer ein cooles Ding und wir hoffen mal – wir gehen davon aus – das es diesmal auch so wird. Wenn sich das bestätigen sollte, dann sind wir da sicherlich offen, dass wir das auch in den nächsten Jahren nochmal wiederholen werden.

Ich:

Du hast ja gerade schon gesagt, dass das alles Bands sind die ihr selber auch gerne hört – wo ihr richtig Bock drauf habt – gibt es irgendwelche Bands, die ihr euch da noch gewünscht hättet wo es vielleicht nicht geklappt hat? Wo ihr euch aber für die Zukunft wünscht, dass es vielleicht mal funktioniert?

Andi:

Klar! Ich mein wir sind fünf Leute, die fünf verschiedene Gruppen von Lieblingsbands haben, da gibt es immer die ein oder andere die man noch gerne dabei gehabt hätte oder sich auf jeden Fall merken möchte für die nächsten Jahre. Namen würde ich jetzt hier nicht verraten, sonst ist es dann keine Überraschung mehr, wenn es dann irgendwann klappen sollte.

Ich:

Was macht dir persönlich denn an Live Shows am meisten Spaß?

Andi:

Die Energie, die man vom Publikum wiederkriegt ist natürlich etwas ganz Besonderes. Dieser Moment wenn die eigene Aufregung so ein bisschen weicht. Während den ersten Lieder bin ich immer noch froh, dass ich mich hinter meinem Schlagzeug ein bisschen verstecken kann, weil man dann doch relativ aufgeregt ist. Aber irgendwann ist man an diesem Punkt, da läuft es – dann kann man sich ein bisschen mehr auf die Menschen draußen konzentrieren. Und das ist dann einer der schönsten Momente – wenn scheinbar alles von alleine läuft, und ich mich voll und ganz auf das Publikum und die Musik konzentrieren kann. – das ist das Größte.

Die Energie, die man vom Publikum wiederkriegt ist natürlich etwas ganz Besonderes

Ich:

Lieber eine Festival oder eine Club Show?

Andi:

Da würde ich gegenfragen – warum oder?

Wir sind total froh, dass wir beides machen können. Wirklich von ganz kleinen Clubs – wir machen ja bei jeder Tour jedes Mal so kleine Warmup Shows in wirklich kleinen Clubs über große Hallenkonzerte bis hin zu den Festivals. Man genießt das alles. Und alles ist so auf seine eigene Art und Weise was Besonderes. Von daher sind wir da sehr, sehr dankbar und sehr happy, dass wir da alles drei machen können.

Ich:

Wenn du dir noch eine Band wünschen könntest mit der du zusammen auf Tour gehen könntest – wer wäre das im deutschsprachigen Raum?

Andi:

Ah – im deutschsprachigen Raum – uh – das ist schwer. Hmmmm…

Ich:

Du hattest glaube ich schon so halb eine Antwort parat, bevor ich es auf den deutschsprachigen Raum eingeschränkt habe: also lassen wir das Kriterium doch weg!

Andi:

International wäre das wohl sicherlich Bruce Springsteen. Wobei da die Gefahr groß ist… ich mein, der nimmt eh nie Vorbands mit, von daher ist das nicht wirklich drin, aber ich hätte auch zu viel Angst, dass der vielleicht gar nicht so nett ist. Glaub ich zwar nicht dran, aber das ist so ein großes Vorbild für den ein oder anderen inklusive mir in der Band, da möchte man dieses Risiko besser erst gar nicht eingehen.

Ich:

Dann vielleicht noch eine Frage: wenn ihr jetzt schon ein bisschen an neuen Sachen arbeitet, was ist so die Inspirationsquelle? Wo zieht ihr gerade eure Motivation her – weil ihr ja auch gesellschaftskritisch unterwegs seid – wo drückt da bei euch gerade so richtig der Schuh? Da müssen wir ein Lied drüber machen, weil euch das gerade als Band beschäftigt.

Andi:

Traurigerweise immer noch das alte Thema, was bei der “(sic!)” auch schon so präsent war: der stetig wachsende Rechtspopulismus und die stetige Verrohung der Gesellschaft. Das immer mehr Hürden fallen in den öffentlichen Räumen und sozialen Netzwerken. Wie man sich da gegenseitig beschimpft – da zeigen ganz viele Leute ihr hässliches Gesicht und wir haben Angst, dass sich das noch immer weiter verschlimmert. Das hatten wir ja eigentlich vor ein paar Jahren schon und haben gedacht: viel Schlimmer kann es nicht werden. PEGIDA, AfD ist alles so ein Strohfeuer – das wird sich irgendwie von selbst erledigen – hat es sich leider nicht. Daher ist es für uns ganz wichtig, sich klar zu positionieren gegen den wachsenden Rechts-Populismus und Rechts-Radikalismus – natürlich nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt gerade.

Daher ist es für uns ganz wichtig, sich klar zu positionieren gegen den wachsenden Rechts-Populismus und Rechts-Radikalismus – natürlich nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt gerade

Ich:

Dann bin ich auch Ende meiner Fragen angekommen. Gibt es irgendwas, was du oder was ihr noch mit den Fans teilen wollt? Famous Last Words quasi am Ende.

Andi:

Bin ich immer super super schlecht drin! Die besten famous last Words hat Homer Simpson gesagt: Beer beer beer, bed, bed, bed. Und genau das werde ich gleich auch tun!

Wir werden jetzt erst mal noch die Festivals spielen, dann werden wir uns zurückziehen und hoffentlich kommt da schnell was Gutes bei raus und wir hoffen, dass uns die Leute solange noch die Treue halten und warten bis wir dann soweit sind.

Ich:

Da bin ich fest von überzeugt! Gut – dann bedank ich mich herzlich bei dir für deine Zeit!

Andi:

Gut – dann bedank ich mich – schönen Abend dir noch – Ciao!

Infos zum City Riot Fest am 25.08 in Wiesbaden:
BROILERS CITY RIOT FEST feat. FLOGGING MOLLY / THE SELECTER / BOOZE & GLORY / DRANGSAL / EMSCHERKURVE 77

Open Air Festival im KULTURPARK Wiesbaden präsentiert von Rock Hard, Radio Bob, OX-Fanzine und Kulturnews

Tickets und weitere Infos gibt es hier: http://bit.ly/brlrs-cityriot