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Review: The Gaslight Anthem in Köln mit Premiere

9
von 10 Punkten

Köln kommt doppelt, denn The Gaslight Anthem sind zurück. 2015 hatte sich die Band eigentlich eine Auszeit genommen. Für das 10-jährige Jubiläum ihres Hitalbums „The ´59 Sound“ kam die Band nun aber wieder für eine Tour zusammen. In Deutschland standen gleich zwei seit Monaten ausverkaufte Doppelkonzerte im 4500 Zuschauer fassenden Palladium auf dem Programm.

Matthew Ryan ist der erste Supportact und dürfte an diesem Abend viele neue Fans gefunden haben. Im Anschluss kann Dave Hause mit seinem Folkrock viele Zuschauer mitreißen und muss diese meist nicht einmal zum Singen anfeuern. Die Gaslight-Fans kennen und lieben Dave Hause fast so sehr wie den Hauptact. Dank seiner energiegeladenen Performance ist die Stimmung im Palladium schon ordentlich angeheitert, als The Gaslight Anthem die Bühne betreten.

Die Amerikaner starten mit „Handwritten“ und sofort brechen alle Dämme. Plötzlich kochen überall Pogokreise hoch, das ganze Palladium verwandelt sich binnen kürzester Zeit in eine springende und tanzende Masse. Einige erinnern sich verwundert an die letzten Bandauftritte von The Gaslight Anthem, bei denen selten gepogt wurde. Doch während dieser Tour dreht sich alles um „The ´59 Sound“ und damit auch die Punkwurzeln der Band. Buchstäblich im Herzen der Setlist steht dann auch das Album, denn nach vier Songs wird „The ´59 Sound“ an einem Stück durchgespielt. Der Abend steht im Zeichen des Rock’n’Roll, der mit Country-, Blues- und Americana-Versatzstücken angereichert ist.

Wegen der schweißtreibenden Temperaturen unter dem Hallendach ist der Boden bald rutschig. Jeder neue Song wird begeistert aufgenommen und es scheint, als würden die Lieder live noch etwas schneller gespielt werden, als im Original. Schon beim fünften Song „Great Expectations“ scheint die Temperatur durch das dichte Gedränge am Siedepunkt angekommen zu sein. Einigen weiblichen Besuchern ist dies offensichtlich zu viel der Enge, da immer wieder von hinten die Menschenleiber nach vorne gedrückt werden. Weinend verlassen einige die vorderen Reihen, doch sie können sich später einen Platz auf der geöffneten Empore des Palladiums sichern.

Brian Fallon ist im Gegensatz zu seinen Solokonzerten diesmal überhaupt nicht gesprächig. Keine einzige Ansage kommt über seine Lippen, nicht einmal eine Begrüßung. Trotzdem zeigt er sich offen und sorgt für eine Premiere in der Bandgeschichte: Bei „The `59 Sound“ darf ein junger Fan auf der Bühne die Gitarre übernehmen, der extra aus Österreich angereist ist. Zeit für Brian Fallons einzige Worte an diesem Abend, denn ein „Hey, this is Chris“, kommt über seine Lippen. Chris darf sich sogar am Ende des Songs das Mikro mit Brian Fallon teilen.

Bemerkenswert ist auch, dass sich mit „Underneath the Ground“ lediglich ein Song vom jüngsten Album „Get Hurt“ auf der Setlist findet. Stattdessen gibt es eine grandiose Runde durch die Bandgeschichte. Das textsichere Publikum hängt an den Lippen von Brian Fallon und versucht es bei zahlreichen Gesangseinlagen mit diesem aufzunehmen. Bei „Miles Davis & The Cool“ wird etwas der Fuß vom Gas genommen, während sich die Bühne in lilafarbenes Nachtclub-Licht hüllt.

Insgesamt 26 Songs geben The Gaslight Anthem zum Besten. Besonders lautstark wird die Live-Rarität „We’re getting a Divorce, you keep the Diner“ gefeiert. Das Palladium sammelt seine letzten Kräfte und lässt sogar einen kleinen Circle Pit entstehen. Als letzte Zugabe kommt zu „American Slang“ noch einmal Dave Hause auf die Bühne, um zusammen mit Brian Fallon ein grandioses Duett abzuliefern. Ein würdiger Abschluss eines tollen Konzertabends.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
9
Preis/Leistung
9
Qualität
9
Atmosphäre
9