DSC_0560
Fotograf: Jojo Lippke

Review: Hurricane Festival 2018

Die 22.te Auflage des Hurricane Festivals fand vom 22.06. bis 24.06.2018 in Scheeßel statt. Musikalisch breit gefächert wurde Rock, Punk, Hardcore, Elektro und Hip Hop auf vier Bühnen geboten. Das sollte eigentlich so wie immer klingen. Und doch war dieses Jahr alles ein bisschen anders. Schauen wir mal etwas näher hin.

“Relax, just sit back and absorb”…. Moment mal, was sucht diese Textzeile aus einem Song von Boysetsfire hier im Hurricane Bericht? Formulieren wir es einmal anders. Ein Bekannter von mir hat gesagt, dass das Line Up vom Hurricane 2018 dem vom Deichbrand 2017 stark gleicht. Das passt. Nur mit dem Unterschied, dass die Tickets für das Deichbrand im vergangenen Jahr preislich deutlich unter dem lagen, was das riesige Open Air in Scheeßel in diesem Jahr gefordert hat. Die Konsequenz:
Es strömten deutlich weniger Besucher auf das Festivalgelände, als noch in den Vorjahren. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass auf die große Massenschieberei, die es sonst allerspätestens zum Abend gab, verzichtet werden konnte.

Das war nicht das einzig Angenehme. Klaro, niemand konnte den Faktor “Wetter” beeinflussen, aber was in den letzten zwei Jahren an Unwettern (ich denke, wir können durchaus vom Plural reden) über das Festivalgelände herzog, reicht für eine ganze Dekade. Umso erfreulicher ist es, dass am Freitag die Gummistiefel zur Abwechselung mal im Zelt gelassen werden konnten. Der Boden war nicht schlammig und das neue Fallwasser vom Himmel hielt sich am gesamten Wochenende stark in Grenzen.

Man könnte sagen, dass es beste Voraussetzungen waren, um die Konzerte vollends zu genießen. Denn so viel sei verraten. Ein Bühnenwechsel zwischen der Green- und der Blue Stage schaffte man, um in musikalischen Zeiten zu rechnen, in weniger als einem Lied. Inklusive Pippi-Pause in knapp zwei Songs. Und das selbst am späten Abend! Auch die Red- und die White Stage erreichte man in Rekordtempo, so unkomplizierte Bühnenwechsel war man in Scheeßel gar nicht mehr gewohnt. In der Pressekonferenz wurde von 65.000 Besuchern (inkl. Tagesgäste) gesprochen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es etwa 13.000 Zuschauer mehr.

Nicht ganz so angenehm war allerdings das Thema “Sound”. Der war sehr wechselhaft und leider selten wirklich gut. Doch wo gemeckert wird, gibt es auch positive Highlights, das waren in jedem Fall Two Door Cinema Club und Arcade Fire. Hier gab es ein audiovisuelles Genußpaket der allerersten Güte. Und wem das zu glatt poliert wirkte, fand sich eben auf einer der anderen Bühnen ein.
Sehr unglücklich lief der Festivalauftakt mit Marmozets auf der Green Stage. Schmale 30 Minuten war für deren Konzert eingeplant. Aufgrund zeitlicher Verschiebungen hatet die Band eine halbe Stunde für den Soundcheck und das Konzert. Resümee: Es blieben 15 Minuten Spielzeit. Dem gegenüber stand eine 17-stündige Anreise. Das dies in keiner Relation stand, ist ausser Frage. Ein Blick auf den Twitter Account des Gitarristen Sam Macintyre spricht Bände!

Bei einem obligatorischen Gang über den Campingplatz bot sich zunächst ein ungewohntes Bild. Denn der sah gar nicht so zugemüllt aus, wie in den letzten Jahren. Nach einigen Metern relativierte sich dies allerdings. Je weiter man nach hinten rausging, umso größer wurden die Müllberge.
Der Blick glitt weiter Richtung Green Camping. Hier hätte man ohne Probleme vom Boden Essen können. Alles sauber. Ich ging weiter Richtung Womo Green Camp. Absolute Ruhe. Und das am Nachmittag. Es war beinahe ein bisschen gespenstisch. Ich unterhielt mich mit zwei Campern. Die beiden waren mehr durch Zufall hier gelandet, da die Tickets das reguläre Womo Camping bereits ausverkauft waren. Auf der einen Seite sind sie sehr zufrieden mit ihrem Abstecher im “Grüner Wohnen” Land. Auf der anderen Seite vermissten die beiden aber den Kontakt zu anderen Leuten. Durchgangsverkehr gab es hier nicht. Das lag zum einen daran, dass man nur mit entsprechendem Bändchen auf die Grünfläche durfte und zum anderen aber auch daran, dass so weit ausserhalb sich ansonsten niemand verirrt.

Alles in allem ist das Hurricane 2018 ein ganz typisches Festival. Vieles lief rund, einiges eben auch nicht. Bezugnehmend auf das Zitat zum Eingang des Berichtes: Aus Besuchersicht ist die große Sause sicherlich in vielerlei Hinblick entspannt gewesen (Stichwort Bühnenwechsel, Toilettensituation, Wetter etc.).

Das nächste Hurricane Festival findet vom 21.06.-23.06.2019 statt, der Vorverkauf ist bereits gestartet!