Sommerkult_2018_John_Conley
Fotocredit:
John Conley

Review: Sommerkult+ 2018

9.8
von 10 Punkten

Donnerstag, 14. Juni 2018: Tausend Trailer – NMAC – Fullax – Val Sinestra – Schmutzki – Creeps

Freitag, 15. Juni 2018: Neumatic ParloCarpet WavesTHE TiPSItchyKochkraft durch KMA 

Das “Sommerkult-Musikfestival“, welches seit über zehn Jahren an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf von dem Kulturreferat des AStAs organisiert wird, fand auch dieses Jahr vom 14. bis zum 15. Juni statt. 1000 Menschen wurden pro Tag erwartet. Ganz unter dem Motto “umsonst und draußen” verlangte das Open-Air Festival auf dem Campus der Universität auch dieses Jahr keinen Eintritt von den Besuchern. Das ganze Festival fand auf einem der Parkplätze der HHU statt und die Besucher mussten sich lediglich einer Taschenkontrolle unterziehen. Im Zuge der Kulturtage der Heinrich-Heine-Universität fand das Festival zum ersten Mal in diesem Jahr mit dem Zusatz des Plus im Namen des “Sommerkult+” statt, um das Kulturerlebnis in der Landeshauptstadt zu betonen. Das Festival, sowie alle anderen Veranstaltungen der Kulturtage, werden jedes Jahr von den Studierenden selbst organisiert und von einer Menge Sponsoren unterstützt.

Der zweite Tag des Festivals beginnt gegen 17 Uhr, auch wenn dort noch eine ziemlich geringe Anzahl von Besuchern da sind. Die meisten der Besucher, die größtenteils aus Studenten der HHU und Schülern der Schulen aus Düsseldorf und näherer Umgebung bestehen, setzten sich gut gelaunt mit einem Bier in die Sonne auf den Parkplatz direkt vor die Bühne. Während der ersten zwei Acts, Neumatic Parlo und Carpet Waves wirkt die Bühne mitsamt der beiden Bands fast schon überflüssig, da die Zuschauer die Musik viel mehr als Hintergrundmusik wahrnehmen, während sie sich unterhalten und sich sonnen. Denn eines muss man definitiv sagen, das “Sommerkult+” hätte kaum bessere Voraussetzungen für das Festival haben können, als warme Temperaturen und einen wolkenlosen Himmel.

Dabei kann man nicht einmal sagen, dass Carpet Waves ihre Sache schlecht machen. Nur kommt eben durch die geringe Menschenmenge keine wirkliche Festivalstimmung auf. All das wirkt viel mehr solide und entspannt, als das es einen total mitreißt und man das Bedürfnis zu Tanzen verspürt. Vielleicht liegt das aber auch an der Songauswahl von Carpet Waves, da diese größtenteils ruhigere Tracks spielen, die zwar immer noch in das Genre Rock einzuordnen sind, aber eben nicht unbedingt mitreißen. Jedoch ist es zu diesem Zeitpunkt ja auch gerade einmal kurz nach 18 Uhr und das Festival wird voraussichtlich bis etwa 24 Uhr gehen.

Nachdem Carpet Waves einen durchweg guten Auftritt von etwa einer Stunde hinter sich gebracht haben, bleibt eine halbe Stunde, die auf der Bühne als Umbauzeit und bei den Zuschauern dazu genutzt wird sich das Festivalgelände anzusehen. Wobei man dabei nicht vergessen darf, dass es sich beim “Sommerkult+” immer noch um ein kleines, kostenloses Festival handelt, das von den Studenten selbst organisiert wird. Auf dem ehemaligen Parkplatz, der jetzt als Festivalgelände dient, findet man eine Vielzahl von Ständen der Sponsoren des Festivals. V+, Campus Tv, fritz kola, Hochschulradio 97.1, Viva Con Aqua und skg Getränke sind die, die zunächst auffallen.

Die nächste Band sind THE TiPS aus Düsseldorf, die sich nicht mit dem auf dem Boden sitzenden Publikum zu Frieden geben. Sie sind die ersten, die aktiv Leute dazu animieren sich vor die Bühne zu stellen und zu tanzen. “Das ist ein Festival und keine Demo” ist der Satz, den der Bassist Philip “Faf” Pfaff dazu mehrfach anführt und nachdem einige Zuschauer nachgeben, ziehen die meisten anderen mit. Während der Stunde, die THE TiPS spielen, kommt das erste Mal eine wirklich Festivalstimmung innerhalb des Publikums auf. Auch die Lichtshow scheint das erste Mal wirklich Sinn zu ergeben, da es beginnt zu dämmern, und man diese zuvor kaum bis gar nicht wahrgenommen hat. Der Parkplatz füllt sich ebenfalls immer weiter mit Menschen, von denen die Hälfte schon gut angetrunken ist und sich dadurch allgemein eine gute und ausgelassene Stimmung ergibt. Während des Gigs von THE TiPS passiert so einiges. Das Ganze hat zwei entscheidende Gründe. Zum einen die fortgeschrittene Uhrzeit, es dämmert langsam, und das Publikum wird alles in allem angetrunkener, lauter und tanzfreudiger. Zum anderen ist der Bassist der Band ein absoluter Stimmungsmacher. Immer wieder fallen ihm neue Möglichkeiiten ein da Publikum zu bespaßen, sodass man zum Teil das Gefühl hat, dass THE TiPS mehr Quatsch und Unfug auf der Bühne machen, als das sie wirklich Musik machen. Die Stimmung leidet darunter jedoch definitiv nicht. So fordert Philip “Faf” Pfaff eine Stellvertreterin von Viva Con Aqua dazu auf auf die Bühne zu kommen, nur um sie auf einem Surfbrett mit einer Ananas drauf von dem Publikum einmal quer über den Parkplatz tragen zu lassen. Auch initiiert er eine Polonese, an der fast das gesamte Publikum teilnimmt und die jedes Mal komplett einfriert, wenn er eben jenes befehlt.

Nach THE TiPS, der Auflösung eines Gewinnspiels und einer weiteren Umbaupause betreten Itchy, die Headliner an diesem Abend, endlich die Bühne. Es geht ein Kreischen durch den Zuschauerraum es wird klar, dass die meisten Zuschauer wirklich nur da sind um Itchy zu sehen. Inzwischen ist der Parkplatz der HHU so sehr gefüllt, dass man sich vor der Bühne kaum noch bewegen kann. Die drei Musiker aus Eislingen an der Fils, Sebastian “Sibbi” Hafner, Daniel “Panzer” Friedl und Max Zimmer, werden mit unglaublich guter Stimmung begrüßt und diese wird nur noch verstärkt nachdem Itchy die ersten Takte von “Nothing” anstimmen. Das Konzert ist wie jedes Itchy Konzert, einfach unbeschreiblich. Und man merkt auch deutlich, dass Itchy extra für ihre Auftritte geübt haben, da Texthänger, die für die Band eigentlich schon dazu gehört haben, immer seltener vorkommen. Sie spielen größtenteils Tracks der aktuellen Platte “All We Know” und auch einige ihrer alten Alben. Wie immer spielen Sibbi und Panzer “The Sea” in Mitten des Publikums und erzeugen damit eine fast schon melancholische Stimmung für diesen Song. Sibbi beschließt auch kurzfristig auf einem Gitarrenkoffer zu Crowdsurfen, wobei er Bekanntschaft mit einem Plastikpferd macht, was im Laufe des Abends noch ein Running Gag wird. Gegen Endes des Auftrittes von Itchy wird im Moshpit von einigen Leuten Pyrotechnik gezündet, was die Stimmung des Publikums noch einmal weiter pushte.

Gegen 23 Uhr betraten dann Kochkraft durch KMA, die letzte Band des Abends und des Festivals, die Bühne. Jedoch bewirkt das auch, dass sich der größte Teil des Publikums wieder verabschiedete, da viele der Zuschauer nur für die Headliner Itchy gekommen waren.

Zum Abschluss kann man eigentlich nur noch sagen, dass das “Sommerkult+” in diesem Jahr echt gut und abwechslungsreich war. Und es ist eine absolute Empfehlung für alle Musikbegeisterten aus dem Raum Düsseldorf. Auch muss man in diesem Zuge die Organisation des “Sommerkults” erwähnen, die augenscheinlich reibungslos abgelaufen ist.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
9.8
Preis/Leistung
10
Qualität
9.5
Atmosphäre
9.7