Skillet3

Review: Chorprobe mit Skillet in München

8.1
von 10 Punkten

Knapp 100 Millionen Klicks für ein Musikvideo in zwei Jahren? Das kann sich im Rockbusiness schon sehen lassen. „Feel Invincible“ von Skillet läuft auch in den hiesigen Rockclubs immer öfter, obwohl Skillet-Konzerte in Deutschland bislang äußerst rar waren. Wahrscheinlich weil sie als christliche Band gelten, mit denen man sich hierzulande schwer tut, während sie in den USA riesige Hallen füllen. In München füllen sie an diesem Mittwochabend immerhin die Tonhalle, die fast ausverkauft ist. Zum stolzen Preis von 40 Euro gibt es nur noch einige Tickets an der Abendkasse.

Zunächst heizt die Münchner Newcomerband Things that need to be fixed die Menge ein. Mit ihrer Mischung aus Heavy Pop Punk und Easycore passen sie nur bedingt zu Skillet. Trotzdem ernten sie für ihre mitreißende Show, bei der sich alle Bandmitglieder verausgaben, viel Zuspruch und entfachen sogar einen kleinen Moshpit vor der Bühne.

Danach betreten Skillet mit „Feel Invincible“ die Bühne. Und sofort grölt die gesamte Tonhalle mit. Der Sound von Skillet wird von zwei verschiedenen Stimmen dominiert – neben Leadsänger John Cooper überrascht vor allem Drummerin Jen Ledger mit herausragendem Backgroundgesang. Von einem großen Altersunterschied der Mitglieder ist derweil wenig zu bemerken. Das Ehepaar Cooper gründete Skillet bereits 1996. Er ist inzwischen 43, seine Frau Korey Cooper 45. Jen Ledger ist erst 28 und der smarte Bassist Seth Morrison 31. Beide stießen erst kurz vor dem großen kommerziellen Erfolg zur Band und vor allem die Schlagzeugparts von Jen sind inzwischen ein Markenzeichen der Band geworden.

Schnell zeigt sich, dass Skillet eine echte Liveband sind. Klingen viele der Songs auf der CD noch oft nach den typischen amerikanischen Alternative-Rockbands à la 3 Doors Down und Three Days Grace, so stellt die Performance der Band dieses Urteil schnell auf den Kopf. Der glasklare Sound in der Tonhalle lässt jeden Geigenton und jede Bassnote hervortreten, elektronische Spielereien runden die Songs ab. Selbst die langsameren und poppigeren Stücke wirken live schneller und mitreißender. Die von Skillet ausgestrahlte Energie geht dementsprechend fix auf das Münchner Publikum über. Besonders bei den härteren Alternative-Songs wie „Invincible“ und „Sick of it“ wird dies deutlich.

Auch die ruhigeren Stücke, wie „Lions“ vom neuen Album „Unleashed“, erzeugen eine besondere Atmosphäre, zu der auch die erstaunlich textsicheren und singfreudigen Zuhörer beitragen. Die textlich sehr einfach strukturierten Refrains mit eingängigen Melodien sind echte Ohrwürmer, die so schnell nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen sind. Skillet tragen zur wiederholten Chorprobe bei, indem Sänger John Cooper ständig Pausen in den Songs macht und die Fans zum Mitsingen anregt. Dies funktioniert zum Beispiel bestens bei den prägnanten „Rise“, „Hero“ und „Monster“.

Das hymnische „Rebirthing“ ist der 16. und vorletzte Song der Setlist. Als Zugabe spielen Skillet „The Resistance“ und bringen damit noch einmal die Halle zum Kochen, ehe sie mit einem „Goodbye Munich, see you soon!“ die Bühne verlassen. Ein Blick in die Gesichter der Fans an diesem Abend verrät, dass Skillet gerne wiederkommen dürfen.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
8.5
Preis/Leistung
7
Qualität
8.5
Atmosphäre
8.5