Don Broco

Review: Don Broco in München

9
von 10 Punkten

Eine schwüle Sommerhitze wabert an diesem Donnerstagabend durch die Räume des Hansa 39 in München. Für weitere Temperatursprünge sorgen die Schotten von The LaFontaines als Vorband. Ein Highlight ihrer Performance ist das mitreißende „Under The Storm“. Ständig werden die Zuschauer zum Springen und Tanzen aufgefordert – die Temperatur in der Halle klettert während der 35-minütigen Show in Richtung Saunaatmosphäre. Der Alternative-Rock mit Rap-Einlagen unterscheidet sich zwar musikalisch klar von Don Broco, ist aber die perfekte Einstimmung auf den Hauptact.

Dann ist es soweit, mit „Pretty“ und „Everybody“ beginnen Don Broco um 21 Uhr ihre Show. Der Sound ist perfekt abgemischt, jeder Ton ist deutlich zu hören und München ist bereit für eine grandiose Saunaparty. Jedoch erklärt Sänger Rob Damiani plötzlich, dass die Band erstmal wieder von der Bühne muss, da wohl ein Teil des Equipments beschädigt ist. Ob das wolkenbruchartige Gewitter kurz zuvor damit etwas zu tun hat, bleibt offen. Fieberhaft versuchen Techniker den Schaden zu reparieren und sind erfolgreich. Nach fünf Minuten Wartezeit betreten Don Broco erneut die Bühne – und zeigen sich dank der kurzen Verschnaufspause bestens erholt. Unter vollem Körpereinsatz präsentiert Rob Damiani mit „You wanna know“, „Superlove“ und „Automatic“ drei Songs des vorletzten Albums „Automatic“. Im Kontrast zu den neuen Stücken wie „Technology“ wird deutlich warum Don Broco derzeit eine der spannendsten britischen Bands sind. Der Fünfer erfindet seinen Sound auf jedem Album neu, wobei vor allem das aktuelle Werk „Technology“ ein riskanter Schritt ist. Zahlreiche Lieder schrecken durch ihre Ecken und Kanten beim ersten Hören erstmal ab. Ein klarer Unterschied zum perfekt produzierten Vorgänger „Automatic“, das den Fokus auf den Pop-Rock legte. Doch der Erfolg gibt den Briten recht, das Album stieg in diesem Jahr auf Platz 5 der britischen Charts ein.

Von den grandiosen Livequalitäten der Band lassen sich an diesem Tag allerdings nicht viele überzeugen: Trotz der kleinen Location ist das Konzert zwar gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Wer dem Auftritt der Briten beiwohnte, benötigt allerdings nicht viel Fantasie, um Don Broco demnächst die großen Hallen füllen zu sehen. Im Vergleich zum letzten Konzert in München im Jahr 2016 ist die Performance an diesem Abend eine deutliche Weiterentwicklung. Don Broco haben eine musikalische Nische für sich entdeckt, die sie mit ihren eingängigen Refrains voller Witz und Zweideutigkeiten füllen und live authentisch präsentieren. Konzerte wie die ausverkaufte Show im Londoner Alexandra Palace  vor über 10.000 Zuschauern haben aus den fünf Jungs eine Band geschaffen, die genau weiß, welchen Song und welche Anfeuerung das Publikum zu welcher Zeit am besten gebrauchen kann. Rob Damiani ist ständig auf Achse, ruft zum Springcontest auf und flirtet mit den Fans.

Nach 16 Songs verlassen Don Broco die Bühne. Als Zugabe sorgt danach „Come out to L.A.“ für letzte Begeisterungsstürme, ehe der Saal noch einmal alle Kräfte mobilisiert um den „T-Shirt“-Song abzufeiern. Zu den Lyrics „I take my t-shirt off, wave it around my head” werden überall im Raum T-Shirts ausgezogen und über dem Kopf geschwungen. Nach 90 schweißnassen Minuten gehen Don Broco erschöpft von der Bühne. Von dieser Band wird man in Zukunft sicher noch viel hören.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
9
Preis/Leistung
10
Qualität
9
Atmosphäre
8