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Pressefoto:
MAXIMILIAN KAMPS

Review: Weihnachten mit SXTN in Berlin

8.7
von 10 Punkten

Vor genau einem Monat war ich beim SXTN-Weihnachtskonzert in Berlin. Genau 3 Wochen dauerte es, bis ich meine Gedanken zusammenkriegen konnte. Der Grund dafür: ich konnte nicht entscheiden, ob ich es gut oder schlecht fand.

Das Konzert sollte um 20 Uhr anfangen. Als ich um 19.55 Uhr aus dem Bus raschte, froren noch zwei mindestens 100 Meter lange Schlangen vor dem Eingang in die Columbia Halle. Ich komme rein in die fast volle Halle, in Erwartung reagiert das Publikum aufgeregt auf jeden Techniker, der gerade auf die Bühne kommt. Wie soll der Rest bitte schön reinpassen? Freue mich aber für die Girls, denn das Konzert ist restlos ausverkauft.

Ich bahne mir den Weg näher zur Bühne. Die meisten Anwesenden sehen höchstens 21 aus, manche Mädchen sind mit ihren Müttern da. Ich denke an die Gespräche darüber, dass es so wenig weibliche Rock-Stars gibt, weil sie wenig weibliche Vorbilder hatten. Einerseits, sind Nura und Juju ziemlich gute Vorbilder: sie haben eine feste Haltung und nehmen kein Blatt vor dem Mund, und was sie rappen ist generell auch nicht falsch. Aber andererseits bin ich mir nicht sicher, wenn ich eine Mutter mit einer 14-jährigen Tochter wäre, ob ich zu einem Konzert gehen würde und Zeilen im Sinne von “Ich ficke deine Mutter ohne Schwanz” hören wollte.

Vor dem Voract kommt noch das obligatorische “O, Tannenbaum” – ist ja schließlich Weihnachten, – und es kann los gehen. Zuerst kommt Fruchtmax auf die Bühne mit einer Posse – sein Auftritt wird gefilmt, auch wenn er nicht besonders festhaltenswert ist. Aber die Kids singen und rappen mit, es läuft.

Zwischen den beiden Sets legt ein DJ auf, das Publikum in der Mitte der Halle tanzt mit ihren Handys über ihren Köpfen. Was sie im Springen filmen ist mir auch nicht ganz klar. Das Publikum an den Rändern tanzt teilweise mit, einige rauchen trotz Rauchverbot, weswegen die Security-Leute hin und wieder ins Publikum rauskommen – Warnungen allein reichen nicht aus; genau hinter mir prügeln sich gerade zwei langhaarige Konzertbesucherinnen, wir warten weiter.

Endlich ist es soweit. Zuerst kommt ein Weihnachtsmann auf die Bühne und erzählt eine Geschichte, wobei er aktiv mit den Händen in der Luft wedelt, gleich danach kommen SXTN auf die Bühne mit ihrem ersten Song. Beide Mädels in Weihnachtsoutfits, Jujus Stimme etwas heiser, die Mädels legen los. Ein kleines Erdbeben erschüttert die Columbia Halle, die Mädels hinter mir hören auf mit der Prügelei.

Zu hören gibt’s das volle Programm – “Die Fotzen sind wieder da”, “Schule”, “Bongzimmer”, “Deine Mutter”, “Er wil Sex”, “Hass Frau”. In den Pausen zwischen den Songs gibt es noch mehr Geschichten vom Weihnachtsmann, Bier-Bongs, das ganze erinnert irgendwie an ein Wohnzimmerkonzert.

Ich muss schon sagen, ich habe sehr viel Respekt vor Rappern. Für das, was sie machen, muss man ja schon sehr schnell und effizient denken können. SXTN sind sehr gut live – nicht nur raptechnisch gesehen, sondern auch als Entertainer. Sie ziehen die Blicke des Publikums immer wieder auf sich, und – das habe ich noch bei Festivals gemerkt – auch wenn das Publikum überwiegend aus Männern besteht (was in der Columbia Halle eher nicht der Fall war).

Auf jeden Fall bin ich gespannt, was SXTN im neuen Jahr bieten können, und ob sie weiterhin ihre Position als Power-Frauen im Rap behalten. Und ich würde auch wahrscheinlich zu ihren weiteren Konzerten von SXTN gehen, aber das Publikum bekommt erstmal eine 5.

 

Unser Fazit


Musikalische Qualität
9
Performance
9
Atmosphäre
8