Deaf Havana

Review: Deaf Havana in München

8
von 10 Punkten

In einem gut gefüllten Münchner Strom übernimmt der britische Singer/Songwriter Rob Lynch mit seinem Acoustik-Folk den ersten Vorbandjob. Auch wenn sich die Songs ähneln, vergeht die Zeit dank seiner grandiosen Stimme wie im Nu. Die nachfolgenden Decade können dagegen nur wenig überzeugen, der Sound ist deutlich zu laut und schallt blechern aus den Boxen.

Nebelschwaden durchziehen das Münchner Strom, als gegen 22:30 Uhr Deaf Havana die Bühne betreten. Ohne große Ankündigungen starten die Briten durch mit „Fever“ und „Sing“. Das neue Album „All These Countless Nights“ steht klar im Fokus der Setlist. Kein Wunder, ist es doch mit Platz 5 der britischen Albumcharts auch das bislang erfolgreichste Album der Kombo. Ein erstes Highlight setzt jedoch die Berlinhommage „Cassiopeia“, „a song about a great city in your fine country“, wie Gitarrist Matthew Veck-Gilodi erklärt.

Die Briten sind binnen eines Jahres zum dritten Mal in München zu Gast. Im letzten Jahr noch als Support für Placebo unterwegs, gab es im April vor Albumrelease bereits ein Promokonzert im Strom. Im folgenden “Happiness” werden die Post-Hardcore-Wurzeln der Band deutlich. Generell fällt auf, dass die Truppe jeden der Songs live um einiges schneller und aggressiver spielt, als bei den CD-Aufnahmen. Aus der frühen Post-Hardcore-Phase findet sich jedoch kein Song auf der Setlist, auch nicht der wohl bekannteste „Nicotine And Alcohol Saved My Life“. Die radikale Kehrtwende  im Sound der Band wird damit konstant durchgezogen. Störend ist der Umstand, dass Sänger James Veck-Gilodi es mit den Hall-Effekten etwas übertreibt, um seine Stimme zu verändern. Dabei beweist er in den ruhigeren Songs, dass seine Stimme auch ohne Verzerrer und Hall-Effekte auskommt. Der neue Sound mag zwar für große Hallen geschrieben sein und auch auf der Platte hört er sich gut an, im kleinen Ambiente wie dem Strom wirkt er allerdings manchmal fehl am Platz.

Ihre musikalische Vielseitigkeit hatten Deaf Havana erst vor kurzem bewiesen, als sie eine ‘Reworked-Albumversion’ von „All These Countless Nights“ veröffentlichten. Live kleiden sie „Like a Ghost“ in ein neues Gewand und lösen damit zunächst Befremden im Publikum aus, da die Reworked-Version mit vielen elektronischen Spielereien versehen ist. Je länger der Song dauert, desto begeisterter scheint die Menge aber von dieser neuen Seite der Band zu sein.

Gegen 23:40 verlassen Deaf Havana die Bühne, kehren aber nach laustarken Zugaberufen wieder zurück. Die Übersingle „Trigger“ wird von den Fans abgefeiert. „Boston Square“ und „Anempophobia Part II“ runden den Abend ab. Erschöpfte, aber glückliche Münchner machen sich durch das Schneetreiben auf den Weg nach Hause. Auch wenn es bereits das zweite Konzert in diesem Jahr in München war: Deaf Havana dürfen gerne wieder kommen.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
7.5
Preis/Leistung
9
Qualität
8
Atmosphäre
7.5