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Review: Kettcar beehren München

8.6
von 10 Punkten

„Na München, alte Lady? Kettcar aus Hamburg hier.“ Mit diesen einfachen Worten begrüßt Sänger Marcus Wiebusch das Münchner Publikum wie eine alte Bekannte an diesem Mittwochabend in der Muffathalle. Kettcar melden sich nach mehrjähriger Pause zurück und wollen vor ihrer großen Deutschlandtour im nächsten Jahr das neue Album „Ich vs. Wir“ bei vier Konzerten in kompletter Länge erklingen lassen.

Viele hatten nun erwartet, dass Kettcar auch mit einem Song des neuen Albums beginnen würden – Doch als erstes spielen die Hamburger mit „Balkon gegenüber“ einen alten Klassiker. Direkt im Anschluss folgte mit „Graceland“ erneut ein altbekannter Hit. „Wir spielen jetzt zwei Liebeslieder“, erklärt Marcus Wiebusch im Anschluss und grinst. „Das ist insofern lustig, weil wir ja jetzt eine Polit-Punkband sind.“ Ein Seitenhieb auf die Berichterstattung der Medien zum neuen Album. „Rettung“ und „48 Stunden“ folgen und die ganze Muffathalle singt im Chor.

Dann folgt mit „Ankunftshalle“ der erste Song des neuen Albums. In der chronologischen Reihenfolge spielen sich Kettcar durch das neue Werk. Die Jahre sind auch an der Band nicht ohne Spuren vorbeigegangen, doch noch immer ist die alte Wucht und Dynamik der Band zu spüren. Gerade bei den politischen Songs, wie dem gegen rechtspopulistische Tendenzen gerichteten „Wagenburg“ wird das deutlich. Jeder Ton sitzt und auch jede Zeile von Marcus Wiebusch, der sicherheitshalber den Text der neuen Songs neben sich liegen hat. Reimer erklärt die amüsante Geschichte, wie der Song “Auf den billigen Plätzen“ entstand. Bei einem Konzert des ehemaligen The Smith-Sängers Morrissey- hatte er mit einem Freund teure Karten in den vordersten Reihen gekauft. Als aber Morrissey die Bühne betrat, strömten plötzlich die Massen von den billigen Plätzen nach vorne und klauten den beiden die gute Sicht.

Die Fans kennen die Songs von „Ich vs. Wir“ bereits  erstaunlich gut und singen lauthals mit. Zum Schluss gibt es wieder Altbekanntes: „Ich danke der Academy“, „Money Left to Burn” und “Deiche” bilden die erste Zugabenwelle. Danach verlässt die Band die Bühne – doch die Münchner wollen sie noch nicht gehen lassen.

Mit einer doppelten Zugabe beenden Kettcar einen rauschenden Konzertabend. Auf „Kein Außen mehr“ folgt mit „Landungsbrücken raus“ der Song, auf den das Publikum am meisten gewartet hat. Da alle damit gerechnet hatten, nur die Songs des neuen Albums zu hören, gehen die Münchner Fans beschwingt nach 20 gespielten Liedern nach Hause. Und das schönste dabei: Bereits Mitte Januar gibt’s ein Wiedersehen mit Kettcar, dann in der Münchner Tonhalle.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
8.5
Preis/Leistung
8.5
Qualität
9
Atmosphäre
8.5