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Review: CALLEJON – “Fandigo”

8.5
von 10 Punkten

Um eins vorweg zu nehmen: Ja, “Fandigo” klingt definitiv anders als alles, was CALLEJON bisher gemacht haben. Und ja, die Songs sind definitiv kein Metalcore mehr. Dass das vor allem vielen alteingesessenen Fans aufstößt, ist so klar wie normal. Allerdings: Nein, die Düsseldorfer haben weder ein klebriges Pop-Album geschrieben, noch naschen sie damit am “Kuchen aus Kommerz” (um mal einen früheren Songtext des Fünfers zu zitieren), wie es manche vielleicht befürchten.

Fandigo” lebt vor allem von einer Sache: Emotionalität. So zeigt sich die Lyrik, für die Bandkopf Bastian Sobtzick verantwortlich ist, deutlich introspektiver und poetischer als auf dem Vorgänger “Wir sind Angst”, was der Platte eine melancholische Grundstimmung verleiht. Treibendes Drumming, elektronische Elemente, melodische bis metallische Gitarren und nicht zuletzt der starke Gesang bilden auf “Fandigo” eine stimmige Symbiose aus Atmosphäre und Härte mit vielen dynamischen Wendungen. Wo Songs wie “Der Riss in uns” und “Das gelebte Nichts” als astreine Balladen durchgehen, kommen die Emotionen in anderen Tracks deutlich lauter zum Ausdruck (z.B. “Pinocchio”, “Monroe”) – und ja, stellenweise gibt’s auch das altbekannte Geschrei, nur eben deutlich pointierter eingesetzt.

CALLEJON haben schon immer gern mit Genre-Grenzen gebrochen, auf “Fandigo” findet dies seinen Höhepunkt – und mündet einem eindrucksvoll eigenständigen und durchdachten Sound. Man merkt, dass in der Platte viel Zeit (zwei Jahre, um genau zu sein) und vor allem auch eine große Portion Mut steckt. Trotz der verschiedenen Einflüsse hat die Band es geschafft, dem Album einen klaren roten Faden zu verleihen. “Fandigo” ist dabei mitnichten leichte Kost und braucht durchaus mehrere Anläufe, bis die Songs sich entfalten. Wer dem Langspieler jedoch mit offenen Ohren begegnet, wird mit einem verdammt gut gemachten Gesamtwerk belohnt.

“Fandigo” erscheint am 28. Juli 2017 via People Like You Records / Century Media.