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“Vom Booking bis zur Deko” – Phillip vom Stonerock Festival im Interview

 

Kennt ihr eigentlich das Stonerock Festival ? Wir waren schon ein paar mal vor Ort und haben nun Philipp vom Stonerock gebeten uns ein paar Fragen zu beantworten. Vom Booking über persönliche Vorlieben, das familiäre Klima und die neue  Deko.

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FS: Zuerst einmal würde ich natürlich gerne wissen wo genau das Stonerock Festival stattfindet?

Das Stonerock Festival findet in Bad Bentheim, Niedersachen statt. Nach einigen Umzügen haben wir seit 2010 dort unser Festivalgelände am Badepark.

FS: Seit wann gibt es das Stonerock?

Wir können schon auf eine zwölfjährige Festivalgeschichte zurück blicken, somit feiern wir dieses Jahr den 13. Geburtstag des Stonerock Festivals. Seit 2005 spielen regionale Bands zusammen mit internationalen Bands auf den Bühnen in Bad Bentheim.

FS: Man hört immer wieder die wildesten Geschichten zur Entstehung eines Festivals. Wie ist das Stonerock entstanden?

Alles begann mehr oder weniger als Idee die Musikkultur in der Grafschaft Bentheim zu stärken und Bands eine Plattform zu bieten sich zu präsentieren. Somit ist aus dem Gedanke vierer Personen schlussendlich die Konzertinitiative Alternation entstanden, diese ist dann seid 2004 immer weiter gewachsen und so auch das Festival.

FS: Zur Entstehung eines Festivals gehört natürlich auch eine Namensfindung. Wie ist das Stonerock zu seinem Namen gekommen?

Der Name kommt ursprünglich von der ersten Location, wo das Stonerock Festival stattfand, nämlich in der Nähe der Freilichtbühne. Vor einer massiven Sandstein Wand haben die ersten Bands das Stonerock Festival zum Leben erweckt. Darüber hinaus ist Bentheim auch für sein Sandstein Vorkommen sehr bekannt, besonders auch da das Wahrzeichen der Stadt die „Bentheimer Burg“ komplett aus Sandstein besteht. Dieser Umstand des prägenden Sandsteines um das Festival herum, gepaart mit dem Genre Rock/Indie-Rock ergab den Namen Stonerock.

FS: Wer organisiert das Festival? Auf dem Flyer steht ja „Alternation“ präsentiert. Erzähl uns doch ein bisschen über die Leute im Hintergrund.

Das Stonerock Festival wird von der Konzertinitiative Alternation organisiert und betreut. Einem ehrenamtlichen Jugendbeteiligungsprojekt des Unabhängigen Jungendhauses Bad Bentheim. In dieser Konzertinitiative engagieren sich vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene und haben dabei die Möglichkeit sich selbst auszuprobieren und zu verwirklichen. Darüber hinaus bieten wir damit der regionalen Musik- und Jugendkultur eine Plattform um sich zu präsentieren.

Um das Stonerock Festival finanzieren zu können organisieren wir Konzerte und betreuen im gastronomischen und veranstaltungstechnischen Rahmen andere Veranstaltungen. Der erwirtschaftete Profit fließt dann in die Finanzierung des Festivals.

FS: Ihr habt euch in den letzten Jahren ja auf das Genre Indie „spezialisiert“. Was war dafür der Auslöser? Ich kann mich gut dran erinnern, dass Bands wie Itchy Poopzkid, Donuts, Fiddlers Green, Turbostaat und 4Lyn bei euch ordentlich die Bühne abgerissen haben.

….kein vergleichbares Festival in diesem Musikbereich….

Wir haben viel ausprobiert und hatten das Glück über die Jahre viele verschiedene Bands auf dem Stonerock Festival begrüßen zu dürfen. Darunter auch der ein oder andere Geheimtipp, der nach unserem Festival erst richtig durchgestartet ist.
Warum nun Indie-Rock/Pop (wie man es auch beschreiben möchte) bei uns das dominante Genre geworden ist liegt wahrscheinlich in großem Maße an den persönlichen Präferenzen unserer Mitglieder. Des Weiteren gab es zu dem Zeitpunkt kein vergleichbares Festival in diesem Musikbereich in der näheren Umgebung. Generell ist das Genre breit gefächert und sehr vielseitig. Bands wie Donots und Turbostaat, sind beispielsweise auch immer mal wieder auf sonst eher „ruhigeren“ Festivals zu finden.

FS: Bleiben wir noch kurz beim Thema Genre. In den sozialen Netzwerken wird ja gerade das Thema Indie kritisiert. Es wurde kritisiert nicht für andere Genres (die ja dann ein breiteres Publikum anlocken würden) offen zu sein. Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Ich denke dass wir besonders in diesem Jahr ein breites Spektrum des Genres Indie auf unserem Festival präsentieren können. Meiner Meinung nach hat Indie eine so große Varianten Vielfalt um für jeden etwas bieten zu können. Es besteht immer die Herausforderung den Spagat zu meistern zwischen dem Geschmack des breiten Publikums und den Vorlieben der Indie-Liebhaber. 

Das Line-Up dieses Jahr zeigt verschiedene Seiten des Indie Rock/Pop auf. Somit haben wir alte Hasen wie „We Are Scientist“, Folk angelegte Indie Musik von Down Under mit den „Pierce Brothers“ aber auch deutschsprachigen Indie Pop mit „LOT“ und „Faber“. Darüber hinaus bereichern die lokalen Bands das Line-Up um weitere Musikstile.

FS: Was ist in diesem Jahr neu? Worauf dürfen sich die Festivalbesucher freuen?

Wir haben in diesem Jahr das Geländekonzept überarbeitet und können weiteren Attraktionen für die Besucher anbieten. Der markanteste Unterschied ist wahrscheinlich die neue Ausrichtung der kleinen Bühne (welche wir komplett selbst betreuen).
Auf dem Gelände werden Food Trucks und ein Cocktailstand die Besucher kulinarisch verwöhnen. Der Loungebereich wurde erweitert und mit weiteren Sitzgelegenheiten ausgestattet. Darüber hinaus wird das gesamte Gelände mit Lichterketten und weiteren Deko Elementen in Szene gesetzt.

FS: Was unterscheidet euch von anderen Festivals?

Es ist ganz klar die familiär persönliche Atmosphäre. Man merkt dass auch auf kleine Details viel wertgelegt wird. Alles geschieht in ehrenamtlicher Arbeit und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen stecken viel Herzblut in das Festival.
Das Festival bietet jedes Jahr eine hervorragende Location alte Freunde und gute Bekannte zu treffen und mit ihnen das Open Air Feeling zu genießen.

FS: Die Grafschaft Bentheim ist ja in der Vergangenheit oft Gastgeber für größere Bands gewesen. Die Rolling Stones, Frank Zappa, Simple Minds, Depeche Mode, Rod Stewart, David Bowie, Pixies, New Model Army und Joe Cocker sind nur ein paar die die Grafschaft schon gerockt haben. Wenn du eine Wahl hättest, egal welche Band booken zu können, welche wäre das?

Bands wie Mumford & Sons oder Coldplay gerne auf unserem Festival

 In der Gruppe träumen wir immer davon Bands wie „Kings of Leon“ oder „Foo Fighters“ buchen zu können. Ich würde wenn unser Budget um ein vielfaches höher wäre Bands wie Mumford & Sons oder Coldplay gerne auf unserem Festival sehen.

FS: Wer bookt eigentlich bei euch und wie geht ihr da vor?

Für das Booking sind zwei Leute bei uns zuständig. Das sind dieses Jahr Jan und Jonathan das Duo JJ. Die beiden teilen sich die zahlreichen Agenturen untereinander auf. Zu Beginn jedes Festivaljahres sammeln sie dann immer eine Menge an potenziell vorstellbaren Bands, ordnen diese in Prioritätengruppen ein und fragen diese anschließend bei den Bookingagenturen an. Zusätzlich erhalten wir jedes Jahr viele Anfragen von Bands die gerne einen Slot auf unserem Festival ergattern möchten.

FS: Was ist wichtiger? Der Headliner oder das Rahmenprogramm?

Ich denke das Zusammenspiel von beiden ist sehr wichtig. Wir wollen mit unserem Headliner und dem Line-Up im Allgemeinen bestmöglichst Indie-Liebhaber aus ganz Deutschland anlocken. Mit dem Rahmenprogramm versuchen wir den Leuten aus der näheren Umgebung das Festival schmackhaft zu machen und ihnen somit auch das Genre Indie näher zu bringen. Somit beeinflusst das gute Rahmenprogramm in gewisser Weise das wahr zu nehmende Festivalspektakel. Wer möchte schon gerne durstig und mit leerem Magen seiner Lieblingsband zu jubeln.

FS: Kenso haben ja nun leider kurzfristig absagen müssen. Wie seid ihr auf so was vorbereitet? Hat man immer noch die ein oder andere Band auf Reserve in der Schublade?

Man versucht sich selbstverständlich immer bestmöglichst vorzubereiten und in gewissem Maße abzusichern. Leider kam die Absage ziemlich kurzfristig und überraschend. Daher mussten unsere Booker noch einmal ran und sich bei den Agenturen nach Ersatz umhören. Dabei erhalten wir selbstverständlich auch Unterstützung von dem Management der abgesagten Band.

FS: Ihr habt ja mit ANA einen Ersatz gefunden der so überhaupt nicht bei euch ins Konzept passt. (Für mich als Kind des Grunges natürlich mehr als ein perfekter Ersatz). Wie erklärst du das?

….lokalen Bands in unserer Region eine Plattform bieten wollen….

Dass ANA überhaupt nicht ins Konzept passt würde ich nicht direkt unterschreiben können. Mit Hi! Spencer, Van Holzen und The Redphones haben wir auch andere vergleichbare Bands die sind sehr nach vorne gehen und nicht unbedingt dem reinen Indie Genre zuzuordnen sind.

Wir haben uns unter anderem für ANA entschieden da wir den lokalen Bands in unserer Region eine Plattform bieten wollen, dafür steht das Stonerock Festival auch – internationale Headliner stehen zusammen mit regionalen Bands auf einer Bühne.

 

FS: Ein großes Thema ist ja immer wieder die Finanzierung des Festivals und vor allem der Bands. Wir müssen leider immer wieder über Festivals berichten die Aufgrund der finanziellen Lage oder aus sicherheitstechnischen Aspekten nicht mehr stattfinden können. Wie schafft ihr es das Stonerock seit 2005 über Wasser zu halten?

Wir müssen dafür das ganze Jahr über hart arbeiten. Wir betreuen andere Veranstaltungen und organisieren Konzerte um das notwendige Budget zusammen zu bekommen. Wir sind aber auch auf Sponsoren und Spenden angewiesen, ohne diese ist ein Festival nicht zu realisieren. Die Tickets sind bei uns schon für 16 Euro im VVK zu erhalten, dafür erhält man den Zutritt zum Festivalgelände und kann den ganzen Tag über zehn verschiedene Bands genießen. Um diesen Preis realisieren zu können müssen viele verschiedene Finanzierungsaspekte zusammen fließen. Leider wird es immer schwieriger Jugendliche für handgemachte Musik zu begeistern, das erleben wir auch bei anderen Konzertinitiativen.

FS: Leider muss ich das Thema Sicherheit noch konkreter ansprechen. Die Sicherheitsauflagen bei Festivals werden von Jahr zu Jahr immer massiver und sind kaum noch zu bewerkstelligen. Wie ist hier die Lage bei Euch? Sind die Auflagen noch zu bewerkstelligen?

Auf Grund unserer Größe und der praktikablen Location haben wir mit den Auflagen noch keine Probleme. Darüber hinaus ist das gute Zusammenspiel zwischen uns und unserem Sicherheitspersonal definitiv ein großer Pluspunkt bei der Gewährleistung der Sicherheit auf unserem Gelände. In Hinblick auf aktuelle Ereignisse und andere Festivals haben wir die Gewichtung bezüglich des Punktes Sicherheit in diesem Jahr erhöht.

FS: Verrätst Du uns Dein persönliches Highlight des Festivalprogramms?

Mein persönliches Highlight jedes Jahr ist zusammen mit allen Mitgliedern der Konzertinitiative Alternation das Festival vorzubereiten und gemeinsam am Ende das Festival – was man geleistet hat – zu genießen und zusammen zu feiern.
Line-Up technisch freue ich mich sehr auf die Pierce Brothers, da ich selbst dieses Jahr für ein halbes Jahr in Australien war und ich somit einen persönlichen Bezug zu den australischen Musikern habe.

Tickets gibt es übrigens hier