KK1by_philipp_gladsome

Review: KRAFTKLUB – “Keine Nacht für Niemand”

7
von 10 Punkten

Lange Zeit war es still um die Band aus Karl-Marx-Stadt – doch nun melden sich KRAFTKLUB nach ihrer wohlverdienten Pause mit dem langersehnten dritten Studioalbum “Keine Nacht für Niemand” zurück.

Wie der Albumtitel bereits nahelegt, ist die Platte voller (teilweise gut versteckter) Referenzen zu den musikalischen Inspirationen und Wegbegleitern KRAFTKLUBs wie Die Ärzte, Deichkind oder Ol’ Dirty Bastard – ob in Form von Feature-Gästen, zitierten Textpassagen oder adaptierten Melodien. Eine gelungene Hommage und der wohl überraschendste Aspekt von “Keine Nacht für Niemand”.

Lyrisch setzen KRAFTKLUB auf ihre altbewährte Mischung aus Selbstironie (“Band mit dem K”, “Venus”), Zwischenmenschlichem (“Am Ende”) und Gesellschaftskritik (“Fenster”, “Sklave”, “Chemie Chemie Ya”) – der noch immer stärksten Facette der Band – und packen damit wie gewohnt den Zeitgeist im ironischen, humorvollen Gewand beim Schopfe. Musikalisch hat das Quintett das Tempo im Vergleich zu den Vorgänger-Alben klar gedrosselt – statt Pogo und Randale regieren auf “Keine Nacht für Niemand” größtenteils der Groove und harmonische Melodien. Vom charakteristischen Indie-Hip-Hop-Gemisch mit gesungenen Refrains müssen sich die Fans (außer im kompletten Ausreißer “Dein Lied”) trotzdem nicht verabschieden, wenngleich dieses um vereinzelte Einflüsse aus Synthie-Pop oder Rock ergänzt wird.

Letztendlich haben KRAFTKLUB auf “Keine Nacht für Niemand” nur das Logische getan – ihre Kernkompetenzen gepackt und um neue Einflüsse und Ideen ergänzt. So richtig euphorieauslösend vermag das Ganze aber nicht zu sein – vielleicht ist es das Gefühl, viele der Themen, die Frontmann Felix Brummer besingt, letztendlich doch schonmal in ähnlicher Form aus seinem Mund gehört zu haben. Oder der Eindruck, dass die groovigen Melodien manchmal etwas zu sehr vor sich hinplätschern. Bleibt abzuwarten, wie das neue Material live funktioniert – denn live kann die Band mit dem K immer noch am Besten.

“Keine Nacht für Niemand” erscheint am 02. Juni 2017 via Universal / Vertigo.