„Alle Nutten mit viel Geld...“
Ein Gong ertönt, dann eine Stimme: „ Achtung, eine Durchsage: Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein, die Show beginnt in wenigen Minuten“. Die Lichter erlöschen, los geht´s! Erster Track, wie erwartet das Aura Intro „Der Letzte meiner Gattung“. Fetter Sound, sogar recht weit hinten. Alle Hände in der Luft, der King wird gefeiert. Aufs Intro folgt „Und dann kam Essah“, ein Track dem ich schon vorher großes Live-Potential zugeschrieben habe. Die ganze Turbinenhalle singt den Refrain mit, Gänsehaut. Savas wird nach wenigen Tracks wohl schon so heiß, dass er kurzum seine Kappe ins Publikum wirft. Gefolgt von allen Ersatzcaps die er auf der Bühne liegen hat. New Era Caps für alle, naja oder auch nicht. Ich will gar nicht wissen was da in den ersten Reihen abging. Der King ist in Geberlaune. In der ersten Reihe steht ein Typ oberkörperfrei. Savas fragt nach warum das so sei, die Antwort: „Ich wurde angekotzt“. Ich brech ab. Er bekommt ein Gratis-Shirt.
Die Turbinenhalle Oberhausen ist ausverkauft, so wie wohl die komplette Aura Tour. Ein weiterer Beweis dafür, das Kool Savas, der selbsternannte King of Rap, ganz vorne in der deutschen Rap-Liga mitspielt. Show und Performance bestätigen dieses Urteil. Zur Unterstützung sind Moe Mitchell und Ercandize mit dabei, Buddy Ogün und Kaas werden zwischendurch per Videosequenz auf der Bühnenleinwand zugeschaltet. Natürlich nicht live, sondern aufgezeichnet. Es gibt sogar Feuer-/Pyro-Elemente. Bis auf zwei Tracks, Echo und LMS 2012, spielt er das komplette Aura-Album. Vom letzten Soloalbum Tot oder Lebendig gibt’s unter anderem den gleichnamigen Titeltrack und Mona Lisa. Auch das zuletzt erschienene Mixtape John Bello Story 3 kommt nicht zu kurz, Orchestrator (feat. Erchandize), Rhythmus meines Lebens oder Tribut kommen sehr geil. Doch all diese Tracks werden von zweien in den Schatten gestellt. Das Publikum verlangt lautstark LMS, nicht zu verwechseln mit LMS 2012. Savas gibt sich genervt, freut sich aber über die LMS-Chöre und feiert das. Kaum hat der die Nummer gebracht, ertönen auch schon die ersten Urteil-Chöre, die Hände zum U geformt gehen in die Luft. Seit der Tot oder Lebendig Tour 2008 hat der diesen Übertrack nicht mehr gespielt. Aus Erzählungen wusste ich jedoch, dass er Das Urteil eine Woche zuvor in Köln performt hat. Die Hoffnung war also groß es in Oberhausen auch mal wieder zu hören zu bekommen. Savas reagiert, sagt dass er mit dem Thema (Beef mit Eko) abgeschlossen hat und Das Urteil deswegen die letzten Jahre nicht mehr gespielt hat. Er tue das jetzt auch nur noch aus musiktechnischen Gründen, weil die Leute es immer noch unbedingt hören wollen, nicht weil die Message des Tracks noch von Bedeutung für ihn sei. Ich glaube das ist den Fans ziemlich egal, Hauptsache Urteil! „Ich habe von den Besten gelernt, oh yeah OR ist der beste Konzern...“. Der vielleicht größte deutsche Rap-Track, 5:32 Minuten ohne Refrain, Eko Freshs Todesurteil, jetzt endlich wieder live. Wahnsinn. Die Meute feiert. Eingefleischte Fans rappen das komplette Ding mit. Die Jüngeren im Publikum können damit eher wenig anfangen, kennen wahrscheinlich auch den Hintergrund gar nicht.
Die Zugabe beginnt mit einem ziemlich genialen Medley, bestehend aus 10 Tracks wie Myspace, Haus & Boot, Komm mit mir oder dem T.O.L. Intro. Nach nicht ganz zwei Stunden endet das Konzert. Die letzten beiden Tracks sind Aura und das eher melancholische Nichts bleibt mehr. Das war´s, bis zur nächsten Tour.
Freitag, 27.01.2012, 21:01 Uhr | Autor:
Möti