Mosh Down Festival 2011
Am 1.10.2011 sollte im Limburger Kaltwerk die mittlerweile fünfte Ausgabe des Mosh Down Festivals stattfinden. Für den erschwinglichen Preis von 8€ galt es, den Metalcore in seinen verschiedenen Facetten bis spät in die Nacht abzufeiern.
Der Opener des Festivals wurde im Vorfeld durch einen Contest entschieden. Die Gewinnerband, namentlich "I Scream For Ice Cream", sagte allerdings kurzfristig den Auftritt ab, sodass die Zweitplatzierten nachrücken mussten. Auch die auf dem Flyer enthaltenen "Heaven Negative" sind nicht erschienen. So Begann das Festival schließlich, eine halbe Stunde später als geplant, mit Amenorrhea, die dem doch noch relativ überschaubaren Publikum ihren stark HC-lastigen Metalcore mit deutschen Texten vor den Latz knallen. Von Anfang an hagelt es Breakdowns und zumindest auf der Bühne darf man eine energetische Einstiegsperformance betrachten.
Die zweite Band trägt den Namen Enemy Mine. Oder erstmal verlängerte Umbaupause aufgrund technischer Probleme. Jedenfalls wird im Endeffekt chaotischer Metalcore mit technischer Finesse und einer überaus starken Stimme geliefert, bei welchem das einzige Manko der doch relativ grottige Sound ist. Der Bass ist viel zu laut, was dafür sorgt, dass man sich die Gitarrenspuren mehr oder weniger denken muss. Ein tieftonlastiger Auftritt, der zumindest eine Menge Potential gehabt hätte.
Vernünftigen Sound, jedoch immernoch keine Besserung in der Bewegungsfreudigkeit des Publikums, bringt die dritte Band, Chaos Leaving Storm. Wieder einmal heißt das Gericht Metalcore und die Hauptzutat Breakdowns, allerdings in einer durchaus melodischen Version. Tiefe, drückende Shouts treffen auf gekonntes Gefrickel. Eine gebührende Einladung zum Tanz, welcher leider wie gesagt nicht nachgegangen wird.
Escape My Farewell soll der Name der Band sein, die im Anschluss zum ersten Mal die emotionale Schiene fährt. Harter, schneller Metalcore im Killswitch-Stil, der mit äußerst überzeugendem Cleangesang verfeinert wird. Sicherlich ist das keine Neuerfindung des runden Fortbewegungshelfers, jedoch versteht man sein Handwerk und liefert ein solides Gesamtbild ab, welches man sich gerne wieder geben möchte. Sozialerweise wird außerdem in einer Pause vom Schlagzeuger zum Kauf von Merchandise befreundeter Bands geworben, statt die eigenen Erzeugnisse ans Volk bringen zu wollen. Gehört sich.
Schließlich beginnt die Halle sich doch zu füllen, denn Their Decay scheinen hier einige Fans zu haben. Ein ruhiges Intro versüßt den Aufmarsch, doch hält die Stille nicht lang an. In Form von tightem, hartem Metalcore mit vielen, punktgenauen Breaks, ohne Cleans und ohne Gedöns gibt es hier den musikalischen Schlag auf die Kauleiste, der auch zum ersten Mal mit ausreichend Bewegung in der Halle honoriert wird. Sogar diverse Textpassagen beherrscht man im Publikum. Auch der Sound ist klar und druckvoll, wahrscheinlich sogar das Paradebeispiel des Abends.
"Ich fahr so auf der Autobahn, da seh ich einen Rastamann." Tribe sind angesagt, welche die hohe Kunst des Deathcores mit einer guten Ladung Groove und einem nicht verkennbaren Ektomorf-Einfluss darbieten. Es dominieren Breakdowns, tiefes Geschrei und harte, kompromisslose Riffs. Top Auftritt, jedoch nicht sonderlich abwechslungsreich. Das könnte allerdings auch daran liegen kann, dass nach so vielen Stunden die Gehirneigene Ladekapazität für Breakdowns an seine Grenzen geht. Das Platzangebot ist weiterhin beschränkt, jedoch ist die Bewegungsfreude der Damen und Herren vor der Bühne wieder etwas zurückgegangen.
Als nächstes steht die Band des Veranstalters, Kaocide, auf dem Programm. Praktiziert wird Metalcore, gemischt mit einer Portion Schwedentod, großartig geschriebenen Cleanpassagen und der obligatorischen Fülle an Breakdowns. Das gebotene ist spielerisch und stimmlich absolut tight und die Performance energetisch, sodass ein nahezu professionelles Gesamtbild geschaffen wird. Definitiv ein Highlight des Abends, nicht zuletzt durch das wunderherrliche Geburtstagsständchen gegen Ende des Sets und der Besteigung diverser Boxen durch den Frontquietscher.
Next up: Bleed'em. Diese bieten einen brachialen Bastard aus Thrash Metal und Deathcore, versehen mit schnellen, harten Riffs, Blastbeats und Breakdowns. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Sänger, der gekonnt von hohen Screams zu tiefen, monströsen Growls und Schweinegeräuschen wechselt. Zeitgleich verwandelt sich das Auditorium in eine Landschaft voller Echthaarventilatoren und die Jungs werden als letzte Band vor dem Headliner nochmal gut abgefeiert.
Besagter trägt den Namen Myra. Die deutschen Metalcore/Melodic-Deather konnten sich in der landeseigenen Szene bereits einen relativ guten Namen machen, was es um so unverständlicher macht, dass die Halle sich wieder relativ entleert hat. Das hält die Männers allerdings nicht davon ab, alles zu geben und zum Schluss nochmal ordentlich auf die Fratz zu trommeln, was die Restmeute dann doch zu diversen Circlepits und entsprechender Bewegung brachte. So ist das ganze jedenfalls musikalisch erste Sahne und ein würdiger Abschluss des Abends.
Die nachfolgende Band Dana.Plan konnten wir uns leider nicht mehr angucken.
So endet die Limburger Nacht der Volksmusik.. ehm, ja. Ein gelungenes Festival, das gut organisiert wurde und einiges zu bieten hatte. Jedoch sollte man vielleicht bei weiteren Ausgaben die musikalische Vielfalt etwas auflockern, denn so schön gute Breakdowns auch sind - man kann alles übertreiben.
N.
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