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Review: Der Meister und die Laserharfe: Jean-Michel Jarre in Bonn

7.9
von 10 Punkten

Ein laut wummernder Bass lässt die Bonner Rheinauen erzittern. Noch ist es hell, später am Abend werden jedoch Lichter und Laser die Dämmerung durchbrechen, die Bäume rund um das Kunstrasen-Gelände illuminieren. In den Gesichtern der Besucher ist ein Lächeln zu sehen. Und da ist noch etwas: freudige Erwartung auf das was folgen wird. Dann betritt er die Bühne: Jean-Michel Jarre. Ein Wegbereiter der elektronischen Musik wie wir sie heute kennen. Ein Pionier. Das zu sagen, ist wohl kaum übertrieben. Ab Anfang der 1970er Jahre produzierte er Kompositionen für den Synthesizer, im Laufe seiner Karriere verkaufte Jarre (Jahrgang 1948) weltweit rund 80 Millionen Tonträger.

Der Franzose positioniert sich ganz oben auf der Bühne, die wie ein Siegertreppchen aufgebaut ist. Flankiert wird er von Claude Samard Polikar und Stephane Gervais. Beide von Schlagzeug und verschiedenen anderen Instrumenten umgeben. Jarre selbst ist ebenfalls umringt von zahlreichen Gerätschaften. Keyboards, Synthesizer, Gitarre und mehr. Lediglich ein Notebook sucht man vergeblich. Als Jean-Michel Jarre begann Musik zu machen, da war noch nicht viel mit Computern. Und Kamerabrillen gab es erst recht nicht, wie sie Jarre an diesem Abend zeitweise trägt. Die Brille überträgt ihre Bilder auf die Videowände der Bühne, das Publikum kann beobachten, wie der Musiker seine unzähligen Maschinen und Instrumente bedient. Ein netter Effekt, wie man es beispielsweise ähnlich von Paul Kalkbrenner-Shows kennt. „So könnt ihr einen Einblick in meine Küche bekommen“, sagt Jarre.

Im Zuschauerraum ist noch viel Luft, ausverkauft ist das Konzert wohl längst nicht. Möglicherweise dem Wochentag und dem Ticketpreis geschuldet. Die, die da sind, kommen aber bald in Fahrt, beginnen zu tanzen und mit den Armen in der Luft zu rudern. Jarre macht zwischen den einzelnen Tracks kleine Ansprachen, eher ungewöhnlich für eine Show mit elektronischer Musik. Da spielt er beispielsweise auf ein Kind der Stadt Bonn an: „His name is Ludwig“ („Sein Name ist Ludwig“) – gemeint ist natürlich das Kind der Stadt: Ludwig van Beethoven, der 1770 in Bonn geboren wurde. Genau wie Jarre, ein Musikpionier. Was aber sogar Beethoven wohl beeindruckt hätte, ist Jarres Spiel auf dem Laser. Gegen Ende der Show strahlt vom mittleren Bühnenrand ein starker grüner Laser gen Himmel, der akustisch programmiert ist. Wenn Jarre die einzelnen Strahlen mit seiner Hand unterbricht, erklingen verschiedene Töne. Ein großartiges Finale, nach einer fast zweistündigen Show.

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Unser Fazit


Gesamterlebnis
8
Line-Up
9
Preis/Leistung
7.5
Atmosphäre
7