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Review: Blink 182 zerlegen Olympiahalle

8.5
von 10 Punkten

Eine Konfettiwolke segelt von der Hallendecke herab, Flammen erhellen die Bühne. In der Münchner Olympiahalle geht an diesem Freitagabend ein rauschender Konzertabend mit Blink 182 zu Ende, der eine wahrhaft triumphale Rückkehr bedeutet. Im Vorfeld war viel über die Trennung von Sänger und Gitarrist Tom DeLonge gesprochen worden. Würde Matt Skiba, Mastermind der Band Alkaline Trio, Tom DeLonge ersetzen können? Skiba gibt die Antwort auf der Bühne: Selten war die musikalische Qualität eines Blink 182-Konzerts so hoch wie in München. DeLonge konnte in den letzten Jahren oftmals stimmlich auf der Bühne nicht mit den Gesangsqualitäten seines Partners Mark Hoppus mithalten. Skiba erweist sich dagegen als ebenbürtiger Partner, der frischen Wind bringt: oftmals betont er die Zeilen etwas anders als im Original, wodurch er den alten Songs neue Energie verleiht.

Als erste Vorband hatten die Briten von Lower Than Atlantis einen schwierigen Job zu meistern, da sie mit ihrem Pop-Rock doch ein wenig fehl am Platz waren, angesichts der beiden nachfolgenden Bandgrößen. Trotzdem zeigten sie eine energiegeladene Performance. Das Münchner Publikum reagierte allerdings noch sehr verhalten, außer ein wenig Mitwippen war nicht viel los.

A Day To Remember verdeutlichen im Anschluss, wie man eine Menschenmenge aufheizt. Von Metalcore bis hin zu melodischem Pop-Punk fahren die Amerikaner ihre gesamte musikalische Bandbreite auf. Häufig blitzen die musikalischen Vorbilder von Blink 182 durch, beispielsweise als Gitarrist Kevin Skaff spontan die ersten Töne von „What’s my Age Again“ anstimmt. Der „Opener „All I want“ gibt schon die Richtung vor, dicht gefolgt von „2nd Sucks“ und „Right Back at it again“. Vom etwas schwächeren aktuellen Album stehen „Paranoia“, „Exposed“ und „Naivety“ auf der elf Titel umfassenden Setlist. Mit „The Downfall of us all“ beenden A Day To Remember ihren Vorbandjob.

Das Intro der Netflix-Serie “Stranger Things” läutet den Hauptact ein. Blink 182 betreten die Bühne und schon mit den ersten Klängen von „Feeling This“ verwandelt sich die Olympiahalle in ein Tollhaus. In der gesamten Halle brechen Pogokreise los, ständig wird gedrückt und geschoben, wodurch niemand seinen ursprünglichen Platz behalten kann. Blink 182 geben keine Verschnaufspause und legen sofort mit „Rockshow“ und „Cynical“ nach. Auffällig ist, dass es keine Verlagerung auf die Songs der Post-Tom DeLonge-Ära gibt. Dabei wird auf dem aktuellen Album „California“ deutlich, welche Songs aus der eher melancholisch angehauchten Feder von Skiba und welche Lieder vom sonnendurchtränkten Pop-Punk von Hoppus stammen. Von den beiden Sekundennummern „Brohemian Rhapsody“ und „Built This Pool“ abgesehen, befinden sich nur fünf California-Songs auf der 21 Titel umfassenden Setlist, davon kein Titel der im Mai erschienenen Deluxe-Version. Der Rest ist eine wilde Hatz durch die mittlerweile 25-jährige Bandgeschichte. Songs wie „Violence“, der lange nicht mehr live gespielt wurde, erklingen in neuer Alkaline Trio meets Blink 182-Version.

Hoppus präsentiert sich an diesem Abend nur wenig gesprächig. Selbst als bei „Always“ ein Fan aus dem Publikum auf die Bühne an den Bass darf, gibt er keine nähere Erklärung, sondern lässt stattdessen die Musik sprechen. Dabei sind ihm seine 45 Jahre kaum anzumerken, energiegeladen springt er bei jedem Song über die Stage. Die üblichen Teeniewitze und Kabbeleien zwischen Tom und Mark gibt es diesmal nicht zu hören – das kann man verschmerzen.

Ganz neue Fans dürfte dafür der neue Song „Los Angeles“ gewinnen, der live eine unglaubliche Mitgrölstimmung entfacht. München liegt sich in den Armen oder schwebt stagedivend auf die Bühne zu. Mit “All the Small Things“ und “Dammit” beenden Blink 182 den Abend. Deren neue Besetzung macht Lust auf mehr und bleibt uns hoffentlich noch lange erhalten.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
9
Preis/Leistung
8
Qualität
8.5
Atmosphäre
8.5