„We will be one“ – BLACKOUT PROBLEMS in Stuttgart

9
von 10 Punkten

Stuttgart war irgendwie schon immer ein gutes Pflaster für die BLACKOUT PROBLEMS. Man denke beispielsweise nur einmal an den Dezember 2014 zurück, als die Alternative-Rock-Kapelle aus München für die Lokalmatadoren Heisskalt im LKA Longhorn eröffnete und eine Show hinlegte, als wäre sie selbst der Headliner. Die letzten beiden eigenen Stuttgart-Konzerte der Band im kultigen Keller Klub waren ausverkauft und ebenso von kollektiver Ekstase geprägt. Diese Serie sollte am gestrigen Abend fortgesetzt werden – diesmal diente der größere Club Universum als Schauplatz.

Bevor sich die BLACKOUT PROBLEMS ins letzte Konzert ihrer „Holy Tour II“ stürzten, durften jedoch erstmal die beiden Supportacts ran. Orion And The First Day Of Aries, ein Singer-/Songwriter aus Stuttgart, der bald seine erste EP veröffentlichen wird, lieferte zwar eine solide Performance, konnte allerdings nicht vollends überzeugen. Dies war jedoch auch der Tatsache geschuldet, dass er sein Akustik-Set kurz nach Einlassbeginn startete und somit vor einem noch halbleeren Universum stand, in dem er (unverdienterweise) ziemlich unterging.

Größer war die Euphorie der sich rasch vermehrten Zuschauer da schon bei Kid Dad: Die vier Paderborner spielen Garage Rock, der wie eine moderne Version der Pixies klingt. In seinem Auftreten zeigte sich das Quartett ziemlich zurückhaltend, Kommunikation und Blickkontakt mit dem Publikum gingen gegen null – musikalisch setzte es dafür ein umso größeres Ausrufezeichen. Mit viel Energie spielten sich die Jungs u.a. durch ihre Debüt-EP „Disorder“ und hinterließen damit einen bleibenden Eindruck.

Nachdem Johnny Cashs „Hurt“ kurz als Intro eingespielt wurde, war schließlich die Zeit der BLACKOUT PROBLEMS gekommen. Der Opener „One“, den Frontmann Mario Radetzky noch mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze performte, sollte die Ruhe vor dem Sturm sein – denn ab dem Punkt, an dem er sich seine Gitarre schnappte und mit den Bandkollegen nahtlos „Of Us“ anstimmte, gab es auf und vor der Bühne kein Halten mehr. Die spätere Frage Marios, ob Stuttgart an diesem Abend wie die Band bereit sei, alles zu geben, wirkte da fast wie eine rhetorische.

Weil man so einen Tourabschluss ja auch nicht alle Tage zelebriert, zauberten die „Blackyz“, wie die vier Münchner auch in Fankreisen genannt werden, ein paar ganz besondere Specials aus dem Hut. So sprang bei „Boys Without A HomeSmile-And-Burn-Frontmann Philipp, der während der Show auch fleißig fotografierte und Instagram-Stories teilte, auf die Bühne, Itchys Sibbi half bei „Black Coffee“ mit seinem Organ aus. Auch Singer-/Songwriter und Backliner Nico Laska und seine Akustik-Gitarre durften nicht fehlen, als Stuttgart in den seltenen Live-Genuss von „The National“ kam. Zudem kredenzten die Jungs zwei neue, bislang unveröffentlichte Songs – über mangelnde Abwechslung konnte sich hier wirklich keiner beschweren.

Auch wenn die BLACKOUT PROBLEMS während des Konzerts „zu 90 Prozent die Musik sprechen ließen“, wie Mario gegen Ende selbst resümierte, kommunizierten sie in jedem Moment, worum es ihnen beim live spielen geht: Um die Musik. Und das Verschmelzen zu einer Einheit mit dem Publikum. In einer der raren Ansagen betonte der Sänger und Gitarrist, wie dankbar die vier Jungs für den Support der Fans und dafür, so großartige Konzerte spielen zu dürfen, sind. Behaupten viele Bands, den BLACKOUT PROBLEMS kauft man es aber eben auch ab. Und wenn sie an diesem Spirit festhalten, wird dieser würdige Abschluss des Clubshow-Marathons zum Album „Holy“ und zugleich gelungene Fortsetzung der Blackyz-Stuttgart-Romanze nicht das letzte großartige Konzert der Band gewesen sein.

Hier gibt’s alle Fotos des Abends.

Unser Fazit


Gesamterlebnis
9
Preis/Leistung
10
Qualität
8
Atmosphäre
9